Kindermund: eine Definition von Pubertät

Mein Neunjähriger, der ein Pubertier zum Bruder hat und täglich mit Staunen dessen Verhalten beobachtet,  machte letztens eine Bemerkung über seinen zwei Jahre älteren Freund, die diese Lebensphase doch sehr gut trifft.

Ich glaube, er ist jetzt auch in der Pubertät. Er macht lauter sinnlose Sachen.“

Was ist dem noch hinzuzufügen?

Vorbereitung auf die Pubertät

Wie ihr ja mitbekommen habt, sind meine Kinder nicht mehr so ganz klein. Es geht in die Phase, vor der es wohl den meisten Eltern graut. Die Pubertät. Sie soll mit jedem weiteren Kind einfacher werden und ein Vater von vier Kindern erzählte mir einmal, sein Kleinster habe sich fürchterlich darüber aufgeregt, dass er seinen Vater durch nichts mehr provozieren konnte. Tja, beim Ersten wird es wohl anders sein. Wie so oft sind für mich die besten Ratgeber andere Eltern, entweder weil sie die anstehende Entwicklungsphase des Kindes bereits durchlebt haben oder aber einfach weil sie einen ganz anderen Blick auf die Welt im Allgemeinen und ihre Kinder im Besonderen haben. So fühle ich mich gerade ganz gut für die Pubertät gewappnet, denn ein paar gute Tipps habe ich bereits mitbekommen.

 

Eine Sportart finden

Eine Mutter riet mir dringend dazu, vor der Pubertät eine feste Sportart für meine Kinder zu finden, denn wenn erst einmal die Null-Bock-Phase beginne, habe man keine Chance mehr, so etwas zu implementieren. Diese Worte hatte ich im Hinterkopf und habe immer mal wieder zu einem Probetraining angestupst und bin heute mehr als glücklich, dass wir dieses Ziel erreicht haben. Denn jedes Training und jeder Wettkampf stellen jetzt eine Alternative zum Smartphone dar und zwar ohne Diskussion und auch noch mit Leidenschaft. Statt Coins und Likes gibt es Muskeln, Schweiß, und Peergroup und das so stark benötigte Dopamin ohne Nebenwirkungen. Und da ist Sport die weitaus gesündere Alternative zu Rauschmittelkonsum oder dem Zocken, die ebenfalls durch die Dopaminausschüttung in diesem Alter so attraktiv werden. Außerdem rät jeder Psychologe bei depressiven Verstimmungen zur Bewegung. Sport macht also im weitesten Sinne glücklich und stellt einen wichtigen Ausgleich dar.

 

Nicht mit dem Musikinstrument aufhören

Für absolute Bewegungsmuffel oder Kinder, die körperlich eingeschränkt sind, gibt es natürlich Alternativen. Auch Musik kann glücklich machen. Eine Mutter berichtete, dass ihr Sohn sich während der heißen Phase der Pubertät quasi wie eine Raupe in einen Kokon einspann und kaum noch in Kontakt mit seiner Familie trat. Was er allerdings in dieser Zeit exzessiv tat, war, Klavier zu spielen, obwohl er einige Jahre vorher aufhören wollte und keinen Spaß daran hatte. Ich kenne das selbst aus meiner Pubertät. Ich kam nach Hause, hämmerte meine Wut in die Tasten und konnte befreit wieder aufstehen, wenn es vorbei war. Sehnsucht, Melancholie, Enttäuschung, die gesamte Klaviatur der Gefühle. Es lohnt sich also, als Eltern manchmal hartnäckig zu sein und sein Kind zum Durchhalten zu ermutigen.

 

Das Kind vorbereiten

Ein Vater erzählte mir, dass er seinem Kind vor der Pubertät in einem Vater-Sohn-Gespräch genau geschildert hatte, was mit ihm und ihrer Beziehung passieren werde. Dieses konnte natürlich zu dieser Zeit kaum glauben, dass es seinen Vater blöd finden und es total unvernünftige Sachen tun werde und was sich sonst noch alles verändern werde. Jetzt ist der Junge vierzehn und wann immer es zu einer der vorausgesagten Situationen kommt, können sich die Beiden mit einem Schmunzeln auf ihr Gespräch beziehen. Der Papa ist zwar dann immer noch doof, aber das ist dann auch irgendwie okay so. Das fand ich auch eine schöne Sache.

Soweit die Theorie. Das Leben wird dann sowieso wieder ganz anders spielen, aber das macht es ja auch so spannend. Schreibt mir gerne Eure Erfahrungen. Und ich bin mir sicher, eine Fortsetzung folgt.

Mehr als 40 – mit großer Dankbarkeit

Ihr schreibt, wie sich Euer Leben mit mehr als 40 anfühlt. Hier kommt der dritte Beitrag:

Mehr als 40_die dritte

Ich bin erst mit Mitte 30 sehr unerwartet Mutter geworden und damals irgendwie (gefühlt) „stehen geblieben“. Ich bin mit meinem Körper und Aussehen im Großen und Ganzen zufrieden und vor allem sehr dankbar. Vielleicht rührt diese Dankbarkeit auch daher, dass ich mit 19 Jahren einen Bandscheibenvorfall hatte und im Jahr darauf aufgrund einer neurologischen Erkrankung einige Wochen im Rollstuhl saß. Alles was danach kam, war besser als das von Cortison aufgeschwemmte Ich, das nicht mehr richtig laufen konnte. Daher stehe ich den kleinen Ärgernissen des Älterwerdens recht gelassen gegenüber. Vermutlich steuere ich mit meinen 48 Jahren auch auf die Wechseljahre zu, die ich bei Freundinnen als sehr gravierenden Einschnitt mit allen möglichen Beschwerden miterlebt habe. Noch spüre ich davon wenig. Meine Mutter war in meinem Alter bereits tot und auch diese Erfahrung hat mich sicherlich sehr geprägt. Auch habe ich mich nie über mein Aussehen definiert, weil das bei uns in der Familie klar zu meinen Ungunsten verteilt war. Ich war zudem bisher in einem Bereich tätig, wo eine gewisse körperliche Fitness und Schnelligkeit zwar von Vorteil ist, aber keineswegs Voraussetzung. Im Moment verändert sich das, da ich seit kurzem nicht mehr direkt mit sogenannten „erziehungsschwierigen“ Kindern arbeite, sondern in der Erwachsenenbildung. Ich bin gespannt, was das mit mir macht, kann aber jetzt schon sagen, dass mir die Kinder fehlen. Gleichzeitig bin ich sehr froh und dankbar, einen festen und unbefristeten Job zu haben, der mir ein gesichertes Einkommen ermöglicht und mir meistens Spaß macht. Das geht in meinem Alter längst nicht allen Frauen so. Außerdem macht sich mein Pubertier mit Riesenschritten auf in die Selbstständigkeit. Dadurch ist plötzlich wieder mehr Zeit frei und die möchte ich für mich nutzen. Ich weiß, dass mir das durchaus schwerfallen wird, da die letzten Jahre sehr vollgestopft waren mit Familie und Arbeit. Deshalb freue ich mich auf den neuen Abschnitt, habe aber auch ein bisschen Respekt davor. Musik und Sport machen, mit Erde und Holz arbeiten, lesen – Ideen habe ich viele, bisher hapert es noch mit der Umsetzung.

(Kathrin, 48)