Das stille Örtchen

Was gibt es in manchen Familien für Diskussionen über das Verweilen auf dem Klo, liebevoll auch stilles Örtchen genannt! Zumindest ein Familienmitglied hat jede, dass dort dem Müßiggang frönt und sitzt und sitzt und sitzt. Sehr zum Ärger all derer, die sich ihre Bedürfnisse währenddessen verkneifen müssen. Dabei dient der Besuch der Toilette weit mehr als dem reinen Stuhlgang. Das WC ist oft der einzige plausible Rückzugsort in

Auszeit

Zeiten der Aufgabenerfüllung und des Müssens, unangefochten in seiner physischen Notwendigkeit. Und so findet Mensch endlich mal Minuten der Entspannung und die Muße, Zeitung zu lesen oder Kreuzworträtsel zu lösen, ohne mit anderen Dingen behelligt zu werden. Naja, zumindest solange, bis es gegen die Tür hämmert und man den Eingriff in die wohlverdiente Auszeit nicht mehr ignorieren kann. Betrachtet man also das Besetzen der Toilette nicht mehr als Angriff auf den getakteten Tagesablauf, sondern als Timeout Zone für die Liebsten, mag es vielleicht nicht mehr solchen Ärger hervorrufen, sondern eher ein verständnisvolles Seufzen.

Ich kann mich ja auch am besten entspannen, wenn es gar nicht ums Entspannen geht. Denn dann muss ich mich nicht krampfhaft darauf konzentrieren, mich zu entspannen. Das passiert beispielsweise, wenn ich gezeichnet werde. Nein, kein Akt, da wäre ich mit Sicherheit mental nur damit beschäftigt, zu überlegen, ob ich auch vorteilhaft dasitze oder nicht doch die ein oder andere Problemzone unschön hervortritt. Nein, Portrait. Einfach dasitzen, stillhalten und nichts tun. Das ist vermutlich wie Meditation nur ohne Meditieren. Ich komme da in so einen ganz wunderbar leichten Zustand, bei dem fast so eine Art Kribbeln im Körper entsteht. Nicht so ein Unangenehmes wie beim Füße einschlafen.

Manchmal passiert mir das tatsächlich auch beim Zahnarzt. Wenn der da ewig in meinem Mund zu tun hat und ich nichts machen kann als abwarten und daliegen. Aber natürlich nur, wenn ich ganz genau weiß, dass es nicht wehtun wird. Sonst kann man sich ja nicht entspannen, also ich zumindest nicht.

Natürlich gibt es dann noch das Vorsichhindämmern im Freibad mit Kinderlachen als leiser Hintergrundmelodie oder das Glas Wein am Meer bei leichter Brise an einem Sommerabend als Gelegenheit zum Müßiggang. Aber mal ganz ehrlich, da ist das stille Örtchen doch wirklich naheliegender. Ein Hoch der Bescheidenheit.

Einfach gut.

Familienplaner Grätz VerlagWir haben dies Jahr erstmals einen Familienkalender geschenkt bekommen. Eigentlich nichts wirklich Neues, so ein Kalender, aber wir hatten tatsächlich noch nie einen. Und ich muss sagen – bitte nie mehr ohne. Meine äußerst unflexiblen Kinder können sich endlich rechtzeitig auf das einstellen, was so an Terminen in der nächsten Zeit ansteht, vom Zahnarzt bis zum Besuch des besten Freundes. Sie wissen, wann ich arbeiten muss und wann vielleicht die Tagesoma kommt. Mit einem Satz: sie fühlen sich in die Planung miteingeschlossen, anstatt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Eine einfache Maßnahme mit hoher Zufriedenheitsgarantie – schwer zur Nachahmung zu empfohlen!

Abbildung: Familienplaner, Grätz Verlag, ISBN-13: 9783944156514