Generation Smartphone

Wir sind die erste Generation von Eltern, deren Kindern mit dem Smartphone aufwachsen – zunächst mit unserem, spätestens in der 5.Klasse meist mit dem eigenen und das beeinflusst ihr Aufwachsen nachhaltig. Ich habe den Eindruck, dass sich viele Eltern, uns eingenommen, von der neuen digitalen Welt und ihren Bedürfnissen einfach mitreißen lassen, ohne wirklich zu hinterfragen, ob wir da mitmachen wollen, fortwährend unter Druck gesetzt von den angeblichen Erfordernissen des digitalen Zeitalters. Es scheint normal zu sein, dass alle den ganzen Tag auf ihre Smartphones starren. Aber ist es richtig, nur weil es die Mehrheit tut? Dabei sind eigentlich sehr viele Eltern nicht glücklich damit, dass die digitalen Medien solch einen großen Einfluss auf das Leben ihrer Kinder haben. Aber trotzdem machen die meisten mit, anstatt sich zusammen zu setzen und in aller Ruhe zu hinterfragen: Was wollen wir unseren Kindern mitgeben? Wie wollen wir leben? Welchen Nutzen und welchen Schaden bringt die Technik? Es fehlen uns in diesem Bereich die Vorbilder und wir müssen selber Standards setzen, die wir für richtig halten und die uns nicht von außen aufgedrängt werden. Wir brauchen mehr Entschlossenheit, Grenzen zu setzen und müssen diese auch selbst leben. Mädchen sind bekanntlich meist anfälliger für die sozialen Netzwerke, Jungen meist für Computerspiele. Einen unheimlichen Sog üben beide Bereiche aus, manche Kinder sind sicherlich stärker suchtgefährdet als andere, aber auf jeden Fall führt die intensive Beschäftigung mit dem Smartphone dazu, dass Kinder kaum mehr Langweile und Auszeiten haben, die dabei helfen, nachzudenken, sich zu spüren und Interessen zu entwickeln. Ich möchte aus einem Interview mit dem Hirnforscher und bekennenden Computerhasser Manfred Spitzer mit den Nürnberg Nachrichten vom 18.03.2017 zitieren. Auf die Frage, wie Eltern ihre Kinder an digitale Geräte heranführen sollten, antwortete er:

 Gar nicht. Man muss die Kinder stattdessen so lange es irgend geht davor schützen. Was wir alle immer vergessen: Digitale Geräte schaden der Gesundheit. Sie verursachen Haltungsschäden, Dickleibigkeit, einen hohen Blutdruck, Depressionen und Angstzustände. Außerdem erzeugen sie in einem hohen Ausmaß Sucht. Wie ich meine Kinder an ein Suchtmittel, das zudem deren Gehirnentwicklung beeinträchtigt, „heranführen“ kann, ist deshalb die falsche Frage. Wir sollten sie vielmehr nicht „anfixen“ (wie man das bei Drogen nennt)! Zudem sollten Eltern bedenken: Ich gebe doch nicht meiner 13-jährigen Tochter unbegrenzten Zugang zum größten Rotlichtbezirk und zum größten Tatort der Welt. Das tue ich aber, wenn ich ihr ein Smartphone schenke.“

Diese Ansicht mögen viele für radikal halten, aber er liefert mal ganz andere Argumente, als das ewige „Lisa, David und Marvin dürfen aber viel länger!“. Und das hilft mir, klarer bei dem zu werden, was ich für richtig halte.

Wer das ganze Interview lesen möchte, findet es auf: http://www.nordbayern.de/politik/digitale-medien-verleiten-zur-oberflachlichkeit-1.5890818

Aufklärung für Anfänger Teil 2

Das Schöne daran, Gedanken in die Welt zu streuen, ist, andere Gedanken wieder zurück zu bekommen. So auch in diesem Fall geschehen. Jetzt weiß ich, dass das mit der Aufklärung total einfach ist, denn es gibt die Sendung „Du bist kein Werwolf“, die jeden Sonntag um 20.10h und 20.35h auf KiKa läuft. Damit das Ganze nicht mit dem Tatort kollidiert, gibt es natürlich alle Folgen und Einzelteile auch online. Da wird kein Blatt vor den Mund genommen. Christine Henning und Ralph Caspers, wohl bekannt aus der „Sendung mit der Maus“ plaudern locker flockig über Vorhaut, Samenerguss und Schamlippen ohne auch nur ein bisschen rot zu werden. Herrlich. Es geht natürlich nicht nur um Anatomie, sondern auch um Beziehungen, Selbstversuche und andere Themen, die Teenager bewegen. Ob die Kids so eine Folge allerdings mit ihren Eltern zusammen anschauen wollen, wage ich zu bezweifeln.

Mehr infos unter: http://www.wdr.de/tv/werwolf/index.php5

Aufklärung für Anfänger

Auf einmal ist es soweit. Es ist an der Zeit, mein Kind aufzuklären. Etwas, von dem ich mir nie hätte vorstellen können, dass es mir widerfährt, ist eingetreten: das ganze Thema ist mir megapeinlich.„Also, liebes Kind, Du wirst jetzt demnächst Deinen ersten Samenerguss haben und das ist total okay so.“ Hä? Als mein Vater mich mit dreizehn Jahren zu sich aufs Sofa zitierte, um mich aufzuklären, sagte ich nur: „Du, lass mal, ich weiß schon Bescheid, das ist bisschen spät.“ Meine Freundinnen, Bravo und ich hatten ganze Arbeit geleistet. Also – früher anfangen. Aber mit einem 11jährigen, der sich schon bei dem Wort Mädchen errötend unter der Bettdecke versteckt, über Geschlechtsverkehr zu reden, ist irgendwie absurd. Naja, ich werde wohl auf jede Gelegenheit lauern, um ganz nebenbei, natürlich und unauffällig die ein oder andere Information einzustreuen, vielleicht beim Pflanzen von Blümchen oder dem Beobachten von Bienchen und vielleicht mal so gucken, was es für Sachbücher gibt. Oder ihm ein paar Bravos hinlegen. Liebes Dr. Sommer-Team, das hat doch schon immer funktioniert irgendwie…..

Sprengelschule,Waldorf, Jena-Plan oder Montessori? Welches ist die richtige Schule für mein Kind?

Das sind doch die, die ihren Namen tanzen, ist die sicherlich meist gehörte Assoziation zu Waldorfschülern. Oft geht ein leicht spöttisches Lächeln mit dieser recht einfachen Beschreibung der Eurythmie einher, die eines und vermutlich das Bekannteste von vielen Unterrichtsfächern an Rudolf-Steiner-Schulen ist. Es kursieren wahrscheinlich zu wenigen Dingen so viele Halbwahrheiten wie zu alternativen Schulformen. Doch werden diese gerade immer attraktiver, sind doch zahlreiche Eltern mit unserem Schulsystem sehr unzufrieden und suchen andere Wege. Auch in Nürnberg gibt es eine Jena-Plan, eine Rudolf-Steiner und eine Montessori-Schule. Ich kenne inzwischen einige Eltern und Schüler(innen), vor allem an den Grundschulen und habe selbst ein Kind an der Montessori-Schule, so dass ich mir ein Bild machen konnte und hier einmal grundlegende Unterschiede aufzeigen möchte, um so vielleicht ein bisschen Klarheit zu schaffen, ob eine diesen Schulformen für ein Kind interessant sein könnte.

Die Rudolf-Steiner- oder Waldorf Schule ist eine Gesamtschule, an der man alle gängigen Schulabschlüsse machen kann und für mich die Schulform mit dem größten „Nest“- Charakter. Der/die Klassenlehrer(in) begleitet die Kinder nach Möglichkeit die ersten 8 Schuljahre, der Klassenverband ist fest, da auch kein Kind sitzen bleiben kann. Die Kinder lernen gemeinsam im Epochenunterricht in einem Zyklus von etwa drei Wochen täglich zwei Stunden eines der Fächer Deutsch, Geschichte, Mathematik oder Naturwissenschaft. Nach diesem Zeitraum kommt ein anderes Fach an die Reihe. Dies soll ermöglichen, sich in ein Thema vertiefen zu können. Der Tag und das Jahr sind stark rhythmisiert und viele wiederkehrende Rituale geben Struktur und Sicherheit. Neben dem normalen Fachunterricht lernen die Kinder von der 1.Klasse an zwei Fremdsprachen( meist Englisch und Französisch), aber in einer sehr spielerischen und musikalischen Form. Zudem haben künstlerische und handwerkliche Arbeiten eine große Bedeutung und Jungen wie Mädchen kochen, sägen und nähen gleichermaßen. Es gibt keine Zensuren und das Lernen ist den unterschiedlichen Entwicklungsstufen in Kindheit und Jugend angepasst. Ziel der Erziehung ist die innere menschliche Freiheit.

Die Jena-Plan-Schule ist dagegen für mich die freieste dieser drei Schulformen. Sie ist eine Ganztagsschule. Im Fokus dabei sind auch die Eltern, denn sie müssen sich sogar einem Bewerbungsgespräch unterziehen. Denn: Die Schule möchte eine Familienschule sein, wo Schule und Elternhaus ineinander greifen, das Klassenzimmer eine „Schulwohnstube“ ist, ein Ort mit guter Atmosphäre, an dem auch mal die Eltern mitarbeiten und Mitverantwortung übernehmen. Die Klassen sind von der 1. bis zur 4.Klasse altersgemischt, die Kinder sollen gegenseitig voneinander lernen und sich unterstützen. Ein wichtiges Element im Schulalltag ist das Gespräch im Kreis, wo Probleme in der Gruppe angesprochen werden sollen, ein Austausch stattfindet und demokratische Entscheidungen getroffen werden. Im Kursunterricht werden ähnlich wie an der Regelschule Grundkenntnisse vermittelt, die dann als Grundlage für den fächerübergreifenden und altersgemischten Kernunterricht dienen. Dort führt der Lehrer in ein Thema ein und begleitet dann den selbständigen Arbeitsprozess der Kinder. Oft werden in diesem Rahmen auch außerschulische Projekte durchgeführt, an denen die Kinder dann oft eine ganze Woche arbeiten, um sie schließlich zu präsentieren. Zu diesem Anlass gehören auch regelmäßig stattfindende Fest, die wechselweise Kinder und Lehrer organisieren. Das Vorstellen toller Projekte spornt die Kinder an, auch ganz ohne Noten. Statt dessen gibt es Arbeits- und Leistungsberichte und die Kinder üben Selbstkontrolle und beurteilen sich gegenseitig. Eine Schule für kleine „Macher“ und Freigeister.

Die Montessori-Schule hat einen Leitsatz, der heißt „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Das bedeutet, dass die Kinder dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen. Durch die sogenannte vorbereitete Umgebung stehen dem Kind genau die Materialien zur Verfügung, die ihm helfen, das zu lernen, für das es sich gerade interessiert. Der/die Lehrer(in) präsentiert ihm das Material, mit dem es dann alleine oder mit anderen Kindern in der Freiarbeit arbeiten kann. Materialien bieten oft haptisches oder visuelles Erleben und auch eine Lösung zur Selbstkontrolle. Die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes erfordert viel Dokumentation und Aufmerksamkeit von Seiten des/der Lehrers/in, ermöglicht es aber auch, Kinder unterschiedlichster Begabungen zu fördern -eine „Schule für ALLE“. Der Austausch zwischen Eltern und Lehrern ist dabei sehr wichtig, um Probleme des Kindes in einzelnen Bereichen frühzeitig zu erkennen und Lösungswege zu finden. Eigentlich ist die Montessori-Pädagogik nicht für einen Schulwechsel nach der 4.Klasse ausgelegt, denn dieser torpediert das Konzept des eigenen Tempos und Zeitfensters der Kinder. Diesem ist auch die Altersmischung von der 1.- bis zur 4.Klasse geschuldet, die nach Maria Montessori eigentlich von der 1. bis zur 3.Klasse und von der 4. bis zur 6.Klasse gehen sollte. Die Altersmischung ermöglicht es den Kindern, je nach eigenem Stand bei den Großen zuzugucken oder mit den jüngeren Kindern noch mal etwas zu wiederholen. Wichtig ist in der Montessori-Pädagogik auch die kosmische Erziehung, die in wiederkehrenden Erzählungen die großen Zusammenhänge der Welt erklärt und somit dem Kind helfen soll, seinen Platz im „Großen Ganzen“ zu finden, aber sich auch seiner Verantwortung als deren Teil bewusst zu werden. Ein anderer wichtiger Baustein ist die Elternarbeit. Sie ist auf eine bestimmte Stundenzahl festgelegt und kann in vielen verschiedenen Arbeitsgruppen und Bereichen geleistet werden, so dass jeder seine eigenen Talente und Neigungen einbringen kann. An Montessori-Schulen gibt es ebenfalls keine Noten, dafür Gespräche und Dokumentationen zum individuellen Entwicklungs- und Lernprozess.

Ich denke, dass sich manche Kinder an einer Waldorf – Schule wohler fühlen dürften, als an einer Montessori- oder Jena-Plan und umgekehrt. Was aber wohl allen Schulen, staatlichen, städtischen wie privaten gemein ist, ist, dass der Spaß an der Schule und die Freude am Lernen ganz viel mit dem Lehrer oder der Lehrerin zu tun haben und da finden sich Gute wie weniger Gute an jeder Schule. Das nimmt vielleicht ein wenig Last von den Schultern der Eltern, die gerne alles richtig machen wollen.

Mensch und keine Maschine

„Ich bin ein Mensch und keine Maschine“ von Tim Bendzko ist einer von zahlreichen aktuellen Songs, die von der Sehnsucht erzählen, auszubrechen aus dem Funktionieren müssen und Leistung bringen und dem Wunsch, als Mensch wahrgenommen zu werden. Auch der stets um aktuelle Themen bemühte Tatort hat sich kürzlich in der Folge “Schock“ mit dem Leistungsdruck unter Student(inn)en auseinander gesetzt, die sich nur mit Hilfe von Medikamenten am Laufen halten und am gesellschaftlichen Anspruch unserer heutigen Welt und am gleichzeitigen Fehlen von irgendeiner Sinnhaftigkeit ihres Tuns zu Scheitern drohen. Schüler(innen) flüchten sich mit Hilfe psychosomatischer Erkrankungen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit in eine Auszeit von Lernen müssen und Bewertet werden. Viele von uns spüren, dass die wichtigen Dinge im Leben durch unsere Arbeitswelt viel zu kurz kommen und der Alltag auf ein Abklopfen von Aufgaben und Erledigungen reduziert ist. Früher habe ich mich, wenn ich viel arbeiten musste, damit getröstet, dass chinesische Wanderarbeiter(innen) ihre Kinder genau einmal im Jahr zum Neujahrstag sehen, während diese die übrige Zeit im besten Fall bei ihren Großeltern leben. Ich dachte, ich hätte kein Recht, die Umstände zu bemängeln, sind andere Eltern doch oft in einer weitaus misslicheren Lage. Gleichzeitig regen sich doch immer wieder Zweifel an diesem System, das Kinder in unseren Alltag reinpresst und viel zu wenig Zeit zum gemeinsamen Nichtstun lässt. Dieser Alltag verändert Kinder und lässt sich nicht mit unserer Kindheit der Freiräume und des Sich selbst überlassen Bleibens vergleichen. Unsere Kinder leben in einer ganz anderen Welt. Manche scheinen die Herausforderungen unserer Zeit gut zu meistern. Sie konnten die viel zitierte Resilienz entwickeln, die psychische Widerstandskraft des Menschen. Kinder aber, die wenige dieser Fähigkeiten wie Selbstwertgefühl, Bewältigungsstrategien, Gefühlsbewusstsein oder Eigenaktivität entwickelt haben, sind damit schnell überfordert und man wünschte ihnen manchmal ein Dasein auf einem anderen, entschleunigten Kosmos. Erziehung ist immer Herausforderung und ein ständiges Hinterfragen von Richtig oder Falsch. Denn natürlich wollen wir alle starke Kinder ins Leben schicken, die Schwierigkeiten gut meistern können und mit Zuversicht durchs Leben gehen. Auch durch das Heutige. Aber das gelingt nicht immer. Es bleibt ein Drahtseilakt, die richtige Balance zwischen Arbeiten und Elternsein zu finden. Und das Monster der Anforderungen unserer Wettbewerbsgesellschaft vor der Haustür zu lassen. Ich wünsche mir, dass die Stimmen wahrgenommen werden und es irgendwann wieder andere Lieder geben wird. Und ein Elfjähriger sich nicht in „ Ich bin ein Mensch und keine Maschine“ wiederfindet.

Wer mehr über die Resilienz erfahren möchte, findet hier eine ganz gute Zusammenfassung: http://www.kindergartenpaedagogik.de/1123.html

Französisch mal anders.

Schüler(innen) der 6.Klassen am Gymnasium lernen ja bereits die zweite Fremdsprache und insofern sie sich nicht für Latein entschieden haben, bekommen sie es meist mit Französisch zu tun. Da das reine Vokabel lernen nicht immer höchste Freude bereitet, habe ich etwas auf Youtube gestöbert und meinem Kind französischen Hip Hop präsentiert- und der ist teilweise echt richtig gut. Zum Glück sind die Sprachkenntnisse ja noch nicht so gut, dass sie die klassischen Gangsta Texte verstehen und auch so manches Video ist definitiv nicht für die Altersgruppe geeignet. Aber zum Anhören sind die Songs definitiv richtig cool und verpassen der Sprache ein cooles Image, also beste Voraussetzung, sich ein bisschen reinzuhängen. Anbei der Lieblingssong meines Kindes und ein paar andere Songs, die wir mögen.

  • Stromae – Formidable
  • Sexion d`Assaut – Avant quèlle parte / Désolè
  • Maitre Gims-  Est-que tu m`aimes?

We like!

Was Kinder sich wünschen

Bei den Kleinen ist das ja immer ziemlich einfach. Legopackung 375, ein Buch, ein Hörspiel, Pfeil und Bogen. Bei meinem großen Sohn ist das aber inzwischen eine echte Herausforderung. Er wünscht sich nämlich seit etwa 2 Jahren – nichts. Schön, mag man meinen, ein bescheidenes Kind, aber so einfach ist die Sache nicht. Also ich habe auch ein kleines Detail verschwiegen. Über ein Iphone 5 oder gar 6 würde er sich sehr freuen, aber das möchten wir wiederum nicht schenken. So bleibt das Prinzip Hoffnung. Manchmal gelingt ein Treffer bei der freien Interpretation seiner heimlichen Sehnsüchte, aber mit meinem Sandwichmaker zum Geburtstag lag ich beispielsweise völlig daneben. Sein Gesicht war lang und als er Tage später den Schock verdaut hatte, kam ein „Mensch, Mama, man schenkt einem doch nichts zum Kochen zum Geburtstag!“. Gut, verstanden. An Klamotten traue ich mich auch nicht mehr ran, da – obwohl er keineswegs ein „Labelkind“ ist – nur etwa ein aus hundert Teilen Gnade vor seinen Augen findet, was mitunter daran liegt, dass die Modeindustrie zu denken scheint, Elfjährige würden urplötzlich keine bunten Tiermotive mehr mögen, sondern nur noch große Schriftzüge auf Schwarz oder Grau. So langweilig. Auch Bücher stapeln sich inzwischen zu einem Dutzend ungelesen, da seinen Freunden als Geschenk zum Kindergeburtstag kein Wunsch außer dem nach einem neuen Handy einzufallen scheint und sie aus Mangel an finanziellen Mitteln dann auf diesen Klassiker zurückgreifen. Da das Kind aber momentan eher weniger liest, macht es kaum Sinn, den Stapel auf ein weiteres Dutzend anzuhäufen. Ein Hörspiel scheint auch keine Alternative zu sein. Das verstanden wir, nachdem das Kind über Tage hinweg auf keinen Fall mit uns zusammen die nagelneue, total spannende Hörbuchfassung der „Unendlichen Geschichte“ hören wollte, die wir ihm geschenkt hatten, weil es lieber chillen wollte. Es ist nicht so einfach, sein Kind einfach mal in Ruhe zu lassen. Was vermutlich überhaupt das größte Geschenk wäre. Einfach mal nichts müssen müssen. Keinen Schulranzen packen, keine Hausaufgaben machen, nicht im Haushalt helfen. Einfach nur daliegen, gucken und sein. Hey, ehrlich , wir wären da sofort dabei, wenn wir nicht auch immer so viel müssen müssten. Aber wir können ja daran arbeiten. Gestern waren wir zusammen in der Stadt und ich habe herausgefunden, dass ihm Lego eigentlich immer noch gefallen würde, er aber einfach inzwischen weiß, dass das Preis -Leistungs -Verhältnis für einmal aufbauen und dann nicht mehr damit spielen völlig unpassend ist, das nennt man wohl Erwachsen werden. Jetzt können wir überlegen, ob wir uns über diese vernünftige Erkenntnis freuen oder sie torpedieren, in dem wir doch so etwas kaufen. Mal sehen, wie die Sache mit dem Handy eines Tages ausgehen wird und ob es dann einen Wunsch geben wird, den wir auch gerne erfüllen. Und bis dahin üben wir uns im trial and error und im InRuhelassen.