Wegschauer

Ehrlich gesagt, finde ich es wirklich beschämend, wie feige wir Deutsche uns gerade in der Flüchtlingspolitik verhalten. Angela Merkel hat dem Druck der Bevölkerung und aus den eigenen Reihen nachgegeben und das Problem sozusagen outgesourct. Mit fragwürdigen Mitteln und Partnern. Und wir machen mit. Wir schauen weg, was uns ja jetzt weit besser gelingt, wo sich das akute Elend der Flüchtlinge mehr als 1000 Kilometer entfernt abspielt. Eine bequeme Sicherheitszone für die Bewahrung unseres Wohlstandes. Und wir alle wissen, dass dort Unrecht geschieht. Ich bin jedes Mal froh, wenn zumindest die Nachrichten noch von solchem berichten und Journalisten und Hilfsorganisationen nicht wegsehen. Ich habe ebenso wenige Patentrezepte für den Umgang mit den Flüchtlingsströmen wie die meisten Politiker, aber ich denke, dass ein ganz grundsätzliches Umdenken stattfinden muss. Wenn wir weiterhin nicht bereit sein werden, den Kuchen des Wohlstands gerechter aufzuteilen, werden wir zwangsläufig in die Situation kommen, Unrecht zu tun und Gewalt auszuüben und all unsere Werte zu verraten. In einer Welt, die Informationen überall zugänglich macht, wird sich niemand mehr damit zufrieden geben, in Armut zu leben, während er den anderen beim Schlemmen im totalen Überfluss zusehen soll. Die Politik müsste anfangen, benachteiligte Länder Ernst zu nehmen, anstatt sie mit halbherzigen Hilfsprogrammen abzuspeisen. Es wäre an der Zeit, faire Handelsabkommen abzuschließen und heimischen Märkten nicht das Geschäft durch Billigimporte zu zerstören. Die Politik dürfte nicht mehr aus wirtschaftlichen Interessen entscheiden, in welchen Ländern sie interveniert oder eben auch nicht und Lasten müssten gerecht auf die Länder verteilt werden. Aber solange unsere Wirtschaftssysteme auf Wachstum basieren und sich jeder und jedes Land selbst am nächsten ist, wird all das nicht passieren. Statt etwas an den Verhältnissen zu verändern, wird man weiterhin versuchen, sich Probleme bestmöglich vom Leib zu halten. Und das zu einem hohen Preis – dem der Menschlichkeit.

Küchenregeln Italien

Mit ihrem italienischen Vater bekommen unsere Kinder die essentiellen Regeln er italienischen Küche schon mit der Beikost beigebracht. Auch der interessierte Italienfan kennt sicher die meisten der kulinarischen Do`s & Don’ts, aber viele zeigen sich doch noch überrascht, wenn ich auf manche Dinge hinweise – vor allem, weil die italienischen Lokale in Deutschland meist so eingedeutscht sind, dass hier normal ist, was in Italien nie ginge. Deshalb hier also die wichtigsten Regeln, die mir auf Anhieb in den Sinn kommen:

  1. Auf Nudeln mit Fisch oder Meeresfrüchten darf kein Parmesan! Die Italiener lieben ja ihren Parmesan und würzen sogar schon den ersten Babybrei damit, aber zu Fischpasta ist parmigiano (oder grana padano) ein no go!
  2. Die echten Spaghetti Carbonara werden nicht mit einer Sahnes0ße gemacht! Die Soße ist aus Ei und das schmeckt auch richtig lecker.
  3. Lang servierte Nudeln bitte nie klein schneiden. Spaghetti, Bavette, Tagliatelle und co. wollen gewickelt gegessen werden und entfalten so auch am Besten ihr Aroma mit der jeweiligen Soße. Bestenfalls rollt man natürlich nur mit der Gabel. Wenn man einen Löffel dazu bestellt wird man zwar belächelt, aber klein schneiden geht gar nicht. (Für die Kleinsten kann man natürlich eine Ausnahme machen. Meine vierjährige Tochter übt sich aber auch schon fleißig im Spaghetti aufrollen mit der Gabel)
  4. Nach dem Essen wird Espresso (= in Italien caffè) getrunken, kein Cappuccino oder gar eine Latte macchiato. Eigentlich werden die Kaffeespezialitäten mit Milch überhaupt nur vormittags getrunken, weil Milch für die Italiener zum Frühstück gehört. Wenn man sich einen leckeren Cappuccino nachmittags im Cafè nicht verkneifen kann – ich kenn das von mir – geht das zur Not noch durch. Aber direkt nach Mittag- oder Abendessen geht wirklich nur Espresso!
  5. Gnocchi, die leckeren kleinen, meist aus Kartoffeln gemachten Klößchen, spricht man „Njocki“ aus. Wenn da irgendwas rauskommt, was nach Knochen klingt, stellen sich bei mir echt die Nackenhaare auf.

In diesem Sinne wünsche ich BUON APPETITO!

Messages of Refugees

An jedem ersten Freitag im Monat gibt es jetzt auf Bayern 2 um 22.30h die „Messages of refugees“. Mit Unterstützung des Teams vom Zündfunk gestalten Flüchtlinge ihre eigene 30-minütige Radiosendung und erzählen von ihren Erfahrungen auf der Flucht und ihrem Leben in Deutschland, aber auch von dem Leben, das sie zurück gelassen haben und den Gründen und Ursachen, die sie dazu bewegt haben. Die Sendung gibt den Flüchtlingen eine Stimme und  so wird aus dem „Flüchtling“ ein Mensch mit seiner ganz eigenen Geschichte. Wer eine Sendung verpasst (oder Bayern2 nicht empfangen kann), kann sie jederzeit nachhören auf http://www.messages-of-refugees.de.

6. Mai, 3. Juni, 1. Juli, 5. August und 2. September 2016

 

messages-of-refugees vom 01.04.2016

Einfach gut.

Familienplaner Grätz VerlagWir haben dies Jahr erstmals einen Familienkalender geschenkt bekommen. Eigentlich nichts wirklich Neues, so ein Kalender, aber wir hatten tatsächlich noch nie einen. Und ich muss sagen – bitte nie mehr ohne. Meine äußerst unflexiblen Kinder können sich endlich rechtzeitig auf das einstellen, was so an Terminen in der nächsten Zeit ansteht, vom Zahnarzt bis zum Besuch des besten Freundes. Sie wissen, wann ich arbeiten muss und wann vielleicht die Tagesoma kommt. Mit einem Satz: sie fühlen sich in die Planung miteingeschlossen, anstatt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Eine einfache Maßnahme mit hoher Zufriedenheitsgarantie – schwer zur Nachahmung zu empfohlen!

Abbildung: Familienplaner, Grätz Verlag, ISBN-13: 9783944156514

Aktenzeichen XY….

Aus verlässlicher Quelle psychotherapeutischer Kreise kam mir jüngst zu Ohren, dass ein Großteil unserer Generation nachhaltig durch die Fernsehserie „Aktenzeichen XY… ungelöst“ geschädigt wurde. Diese Sendung war in den 70er und 80er Jahren der Straßenfeger schlechthin und fesselte am Freitagabend etwa Zwei Drittel aller Fernsehzuschauer. Allerdings war dies auch der Tag, an dem die Eltern gerne mal ausgingen. Also blieben die Kinder alleine zu Haus. Das Älteste hatte meist kein Einsehen, dass das Verbrechen bei den kleineren Geschwistern tiefe Spuren hinterlassen könnte in dem von den Eltern verlassenen Zuhause. Die Folge: Tausender traumatisierter Kinder, die bis ins Erwachsenenalter unter Verfolgungswahn, Panikattacken und diffusen Ängsten leiden. Ich überlege, eine Opfer-Hotline einzurichten. Und aus den Berichten ein Buch zu schreiben. Betroffene wenden sich bitte vertrauensvoll an mich.

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