Alle Jahre wieder…

..denke ich darüber nach, wie ich so zur Weihnachtszeit stehe. Ich bin weder eine Do-it-yourself-, noch eine Deko Queen, zumal es bei uns schlichtweg an freien, zu dekorierenden Ecken mangelt. Eigentlich mag ich das ganze Brimborium nicht so wirklich, aber ignorieren geht irgendwie auch nicht. Schließlich sind da diese nicht mehr ganz kleinen Kinder, die zwar nicht gerade enthusiastisch reagieren, wenn ich sie frage, ob sie mit mir den Adventskranz gestalten oder Plätzchen backen wollen, aber es sind trotzdem noch Kinder (naja, eins zumindest). Ich fühle mich da schon ein wenig verpflichtet als „gute Mutter“.

To-Do-ListeImmerhin haben wir eine feste Adventskalender Tradition. Die Kinder bekommen immer dieselben 24, liebevoll(!) von Hand mit Süßigkeiten befüllten Säckchen, nachdem das ursprüngliche Bestücken mit „Kleinigkeiten“ irgendwann völlig ausgeartet war. Kleinigkeiten, deren Kosten in der Summe dann eben doch nicht so klein sind, haben das Manko, dass sie meist keine Verbrauchsgüter sind und im Anschluss des Erfreuens unnütz herumliegen. Ich schätze das überhaupt nicht, Krusch und ich gehen schlecht zusammen.

Gleiches gilt für die jetzt in allem Überfluss käuflich zu erwerbenden Kalender mit Kosmetikartikeln in Probiergrößen ( was für eine Plastikmüllproduktion) oder mit dem Besten für den Mann und den ganzen anderen Merchandise Produkten von Firmen aus aller Welt. Von Spielzeugherstellern kannten wir das ja schon, jetzt aber wurde der Erwachsene als Zielgruppe neu entdeckt und alle Produktmanager weltweit scheinen sich abgesprochen zu haben. Grauenhaft.

Das mit den Geschenken haben wir familienintern ganz gut minimiert, wir verweigern uns in diesem Rahmen dem Konsumzwang. Eine große Erleichterung. Bleiben da noch die lieben Geschäftskunden einer Selbständigen. Gestalte ich dies Jahr ein Postkartenmotiv oder steige ich einfach mal aus, aus dem ganzen Muss und To-Do? Mit dem Länger werden meiner Liste steigt jedenfalls die Verlockung. Mal sehen, wie es ausgeht, ist ja noch ein bisschen Zeit.

Das mit dem Weihnachtsmarkt ist auch so eine Sache. Auch wenn uns die Präsenz der Polizei und die Absperrungen vor neuen Terroranschlägen schützen sollen, stehen sie doch diametral entgegengesetzt zur Besinnlichkeit und Stimmung, wegen der man solch einen Ort besucht. Es fühlt sich jedenfalls nicht richtig an, wenn es auch notwendig zu sein scheint.

Soviel von mir. Wie geht es Euch mit dem Advent?

Ob ihr in Nostalgie schwelgt und auf glitzernden Sternenwolken schwebt, ob ihr das Ende der Weihnachtszeit herbeisehnt und den Kopf unter die Decke steckt, ob spartanisch oder pompös, Euch auf jeden Fall eine gute Zeit, wie auch immer ihr sie verbringen werdet.

Kinderserien-Tipp: Der Krieg und ich

Vielleicht haben manche von euch diese Filme schon längst gesehen, schließlich liefen sie schon im Sommer an. Ich bin jetzt erst darüber gestoßen und finde, die Serie ist großartig gemacht und sollte von am Thema Krieg interessierten Kindern und ihren Eltern auf jedem Fall im Netz nachgeschaut werden. Die acht Episoden beginnen 1938 mit der Faszination für die Hitlerjugend in Deutschland und erzählen vom Schicksals einzelner Kinder bis zum Ende des Krieges 1945 und der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Das ist, wie man sich denken kann, sehr ergreifend und deshalb sollte man die Serie auch gemeinsam mit den Kindern ansehen. Die Filme verknüpfen Schauspiel, erzählte Hintergrundinfos, Kartenmaterial und mit Miniaturfiguren nachgestellte Szenen kindgerecht und informativ. Die Einzelschicksale der Kinder von damals lassen so ein großes Thema weniger abstrakt erscheinen und bringen es den Kindern heute nahe. Eine großartige Produktion, die bereits ausgezeichnet wurde, empfohlen ab frühestens 8 Jahren.

Der Krieg und ich_Folge 1

Alle Infos auf SWR Kindernetz

 

Gegen Rechts

Meedchenwargestern ist ja ein Blog, dessen Inhalte nicht klar definiert sind, mal geht es um Familie, mal um Nachhaltigkeit, Politik oder auch einfach Essen. Deshalb unterliegt das, über was ich schreibe, oft dem Zufall. Es sind Themen, über die ich stolpere, wenn ich dafür gerade mental offen bin und auch die nötige Zeit finde. Viele wichtige Themen bleiben dabei unangesprochen, nicht, weil sie mir nicht am Herzen liegen, sondern einfach weil ich das gar nicht leisten kann.

Was aber auf keinen Fall fehlen sollte, ist ein klares Statement Gegen Rechts im Jahr 2019, vergeht inzwischen doch kaum ein Tag ohne Pöbeleien, Hetze oder sogar Anschläge auf Menschen mit anderer Hautfarbe und Herkunft, weil sie Juden oder Muslime sind oder weil sie sich politisch engagieren. Die schrecklichen Attentate kennen wir alle.

ChristkindEinen Aufschrei verursachte zuletzt die Ernennung Beningna Munsis zum Nürnberger Christkind. Die Katholikin, deren deutscher Vater indischer Herkunft ist, überzeugte zwar die Jury mit ihrem offenen Auftreten und ihrer Schauspielerfahrung, einigen Mitbürgern ging ein Christkind mit dunkler Hautfarbe dann aber doch zu weit. Dabei passt Beningna vortrefflich zu unserer, wie ich finde, offenen Stadt, in der „multikulti“ längst Alltag ist. In der Klasse meines älteren Sohnes hat ein Großteil der Kinder einen Migrationshintergrund und das Thema Herkunft ist dadurch völlig unwichtig. Das Gleiche gilt für den Fußballverein und für das Berufsleben mit Global Playern wie Siemens, Adidas oder Puma, die Arbeitnehmer und deren Familien aus aller Welt nach Nürnberg locken. Wo es viel Kontakt zu „Fremden“ gibt, bleiben Vorurteile schnell auf der Strecke. Leider ist das nicht überall der Fall, umso wichtiger, seine Stimme gegen Stimmungsmache und Feindbilder zu erheben.

Ich finde es an der Zeit, dass auch ein Christkind diejenigen repräsentiert, die in unserer Gesellschaft nicht blond und blauäugig sind. Nürnberg setzt damit ein Zeichen. Ich wünsche Beninga, dass sie weiterhin so viel Unterstützung erfährt und sich unbeschwert ihrer Aufgabe widmen kann. Und dass man über sowas Unwichtiges wie Hautfarbe irgendwann nicht mehr sprechen muss.

 

Sturmfrei

Wenn man eine Familie hat, sind die Stunden und Tage, in denen man mal alleine ist, ja eher selten. Und ich würde manchmal so vieles anders machen wollen. Umso mehr habe ich mich seit Wochen darauf gefreut, dass meine Männer gen Norden ziehen und ich ein paar Tage für mich habe. Herrlich!

Schritt 1 meines persönlichen Wohlfühlprogramms: die Wohnung aufräumen und schön machen, um dann die ganze Zeit nichts mehr zu tun.

Schritt 2: Diese besondere Zeit mit Freundin und Kaffee in der Sonne einläuten.

Schritt 3: einmal mit Muße Lebensmittel einkaufen gehen, die nur mir ganz alleine schmecken und sonst niemanden in der Familie.

Ich habe natürlich schon einige Unternehmungen fest eingeplant, ansonsten gilt es, mal wieder hinzuspüren, was ich für Bedürfnisse habe, wenn ich mich nach niemanden richten muss. Ausschlafen oder doch lieber laufen gehen? In den Wald oder ins Kino? Faulenzen oder etwas schreiben? Die Exklusivität der Situation erzeugt bei mir einen gewissen Druck, die Zeit optimal zu nutzen, was natürlich total schwachsinnig ist, aber das habe ich halbwegs im Griff. Und ich gebe zu, es fühlt sich manchmal auch etwas komisch an, allein unterwegs zu sein. Aber es ist toll, sich mal einfach nur um sich selbst zu drehen. Mir ist natürlich klar, dass ich diese Zeit nur so genieße, weil sie nicht mein Alltag ist und ich weiß, dass sie schnell wieder vorbei sein wird. Und das ist auch gut so.

Aber bis dahin genieße ich meine Freiheit in vollen Zügen. Sturmfrei ist eben in jeder Lebensphase toll.

Mitten drin – 45

Als wir diesen Sommer aus Gründen der Einfachheit und ein wenig auch der Nostalgie zum Geburtstagspicknick in den Park luden, war das ein sehr schöner Abend mit Familie und Freunden, jedoch, wie wir bald merkten, in seinem Format völlig ungeeignet für Menschen jenseits der 40, denn die Decken blieben die meiste Zeit leer. Die wenigen mitgebrachten Campingstühle waren stets besetzt und rund um die Liegewiese bildete sich rasch ein Stehempfang. So mancher hatte es mit den Knien, andere fanden Picknick schon immer schrecklich, das mit den Krümeln und dem Essen ist auch nicht jedermanns Sache, man kann sich nicht anlehnen und so weiter und sofort.

Manche Dinge sind eben irgendwann vorbei. So verhält es sich beispielsweise auch mit dem Stringtanga oder dem bauchfreien Top, irgendwann spricht da bei den meisten Menschen so einiges dagegen und das ist auch ganz gut so. Und ich bin da mittendrin mit meinen 45 und, ganz ehrlich, ich finde, es gibt spaßigere Zeiten im Leben. Für mich ist es die Lebensphase der Desillusion.

Man erkennt, dass man nicht mehr alles reißen wird im Leben, weder beruflich, noch privat. Dass weder der Partner noch man selbst sich neu erfinden wird, sondern Muster und Marotten treue Begleiter auf dem gemeinsamen Lebensweg sind. Man spürt, dass Höhepunkte jeglicher Art immer rarer werden und vieles, auf das man einmal zugesteuert hat, bereits hinter einem liegt. Der erste Kuss, das erste Mal, die erste Wohnung, Führerschein, Hochzeit, Familie oder von was man sonst so geträumt hat.

Die herangewachsenen Kinder sind froh, wenn man nicht zu Hause ist, weil dann niemand mit irgendwelchem Schulkram oder sonstigen Aufgaben nervt. Sich die Freiheit zu nehmen, tagelang zu verreisen und wieder zu machen, was man selbst will, funktioniert natürlich trotzdem noch nicht. Sie brauchen einen ja doch noch. Allerdings ist die Funktion als Haushälterin und Hausaufgabenbetreuung nicht wirklich befriedigend.

Und dann ist da noch das herannahende Klimakterium mit seinen kleinen, gemeinen Überraschungen wie verkürzten, verlängerten, verstärkten oder sonst wie anders gearteten Zyklen und deren unsymphatischen Begleiterscheinungen. Übellaunigkeit und Intoleranz bekommen irgendwie eine ganz neue Tiefe. Fast wie mit dreizehn. Haushalte mit Mutter in den Wechseljahren und pubertierender Tochter versprechen wirklich Wohlfühlatmosphäre.

Diese Lebensphase hat natürlich auch sein Gutes und ich möchte nur bedingt negativ klingen. Ich habe mehr Zeit für mich, als je zuvor, seitdem ich Mutter geworden bin und habe im vergangenen Jahr bestimmt zwanzig Bücher gelesen. Also vielleicht braucht es die körperlichen Symptome der nahenden Wechseljahre, um einer vollkommenen Intellektualisierung entgegenzusteuern.

Ich gehe mal davon aus, dass das alles irgendwie Sinn macht und bin gespannt, wohin die Reise führen wird. Klimakterium kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet so etwas wie kritischer Zeitpunkt im Leben. Tröstlicherweise bin ich in diesen Zeiten nicht allein und das macht schon alles viel besser.

Also, ihr Lieben, wir rocken das!

Kinderbuchtipp: Die besten Freunde der Welt

Die besten Freunde der Welt„Die besten Freunde der Welt“ von Ute Wegmann ist ein wunderschönes Buch über die Freundschaft zwischen dem supersportlichen Fritz und dem Superbrain Ben, der wegen eines Herzklappenfehlers als Baby von seiner Mutter in Watte gepackt wird und nichts tun darf, was seiner Gesundheit gefährlich werden könnte. Und das ist so ziemlich alles, was Spaß macht. So darf Ben auch nicht am Schwimmunterricht teilnehmen, obwohl er wahnsinnig gerne das Seepferdchen machen würde. Stattdessen sitzt er am Beckenrand und schreibt Gedichte, wie das Großartige über den Busen, entstanden, nachdem er eine Seniorengruppe bei der Aquagymnastik beobachtet hat. Herrlich! Fritz versucht schließlich, seinem Freund heimlich das Schwimmen beizubringen, gar nicht so leicht bei jemandem, der sogar Angst vor einem Schaumbad hat. Ein großes Abenteuer für die so ungleichen Jungen, die vielleicht gerade deshalb die besten Freunde der Welt sind.

„Die besten Freunde der Welt“ von Ute Wegmann

Verlag: dtv Reihe Hanser  ISBN: 978-3-423-62585-2

Altersempfehlung: ab 6 Jahre

Buchtipp: „Was nie geschehen ist“

Was nie geschehen istDie meisten von uns haben vermutlich Phasen durchlebt, in denen das Verhältnis zu den Eltern oder einem Elternteil belastet war und eine echte Verständigung kaum möglich war, weil die Wahrnehmung zu weit auseinander gegangen ist. Manchmal führt das sogar zum Kontaktabbruch. Nichterfüllte Erwartungen, Sehnsüchte, Sprachlosigkeit, Unverständnis. Aber kann das überhaupt anders sein? Gibt es die eine Wahrheit? Kann die Wahrnehmung von Mutter und Tochter überhaupt übereinstimmen?

Mit diesem Thema befasst sich Nadja Spiegelman in ihrem Roman „Was nie geschehen ist“. Die Autorin beschließt, ein Buch über ihre Mutter Francoise zu schreiben. Sie möchte die Bruchstücke der Erzählungen und Andeutungen zu einem Bild zusammenfügen, um besser verstehen zu können, warum ihre Mutter zu der geworden ist, die sie ist. Über Monate hinweg interviewt sie Francoise und erfährt so von deren schwierigen Kindheit und Jugend, die tiefe Narben hinterlassen hat, von ihrer Sehnsucht nach der so sehr bewunderten, unnahbaren Mutter, die ihre Liebe in diesem Maße nie zu erwidern schien, sondern die Tochter, viel mehr noch, immer wieder von sich stößt und die ältere Schwester vorzieht. Nadja Spiegelman erzählt aber auch von ihrem eigenen Heranwachsen mit dieser Mutter, die ihr manchmal wie eine zauberhafte Fee erscheint, um kurz darauf wieder aufzubrausen und zu tosen.

Irgendwann wird Nadja klar, dass sie auch ihre Großmutter Josèe befragen muss, um sich ein Bild dieser Familie machen zu können und die vielen offenen Fragen nicht im Raum stehen zu lassen. Behutsam nähern sich die beiden an und so gelingt, was zwischen Mutter und Tochter nicht möglich ist: Die Enkelin lernt die wunderbare Person kennen, die Josèe jenseits ihres Versagens als Mutter ist. Denn auch Josèe hat als Kind viele Ungerechtigkeiten und Verletzungen erlebt und erzählt eine ganz andere Geschichte über die Kindheit und Jugend ihrer Tochter.

Für mich hat das auf einmal Sinn gemacht, überlegt man mal, wie anders Kinder, die ja total im Augenblick leben und zudem von ihren Eltern emotional vollständig abhängig sind, Situationen wahrnehmen als ihre oft eher vernunftgesteuerten Eltern. Wie bedrohlich einem Kind manches erscheint, was die Eltern als Lappalie abtun. Verdrängungsmechanismen tun dann ihr übriges, um Erinnerungen zu verfälschen. Nüchtern betrachtet, können sich die Versionen über ein Leben gar nicht gleichen und vielleicht kann man auf Grund dieser Tatsache auch einen gewissen Frieden finden mit Ungereimtheiten in der eigenen Geschichte.

Wer „Was nie geschehen ist“ lesen möchte, sollte der Frankophilie nicht abgeneigt sein, denn obwohl Francoise Spiegelman als junge Frau nach New York geflohen ist und Nadja dort aufwächst, spielt sich der wichtigste Teil der Biographien in Paris ab, wo die Großmutter inzwischen auf einem Hausboot lebt, in Deauville, Ussel und anderen Teilen Frankreichs. Paul, ein Schönheitschirurg, und Josèe waren ein glamouröses Paar, das als Aufsteiger in die bessere Gesellschaft einen mondänen Lebensstil pflegte, als sie ihre drei Kinder bekamen. Und so spielen sich die Tragödien der Familie manchmal vor zauberhafter Kulisse ab, wie so oft im Leben.

Viel Spaß beim Lesen!

Naja Spiegelman „Was nie geschehen ist“

Verlag: Aufbau   ISBN: 978-3-351-03705-5

Ein gutes Sachbuch zum Thema Kontaktabbruch findet ihr übrigens hier: Kontaktabbruch in Familien