Same procedure as every year?

Als ich mich vergangene Woche mit Freundinnen traf, kamen wir, oh Wunder, schnell auf Weihnachten zu sprechen und wie wir es verbringen werden. Und siehe da, das Thema beschäftigt auch andere Menschen. Einige haben die Schnauze voll von der ewigen Wiederholung, dem jährlichen Tannenbaumkauf, dem Heringssalat und dem Krippenspiel und sehnen sich danach, mit der Tradition zu brechen. Andere legen sich für das Aufrechterhalten von Ritualen in die Bresche, denn das mache Weihnachten ja gerade so schön, das immer Gleiche und Verlässliche. Da müsse man eigene Bedürfnisse schon mal hintanstellen.

Die Diskussion hat mich weiter beschäftigt und ich finde, dass das Pflegen von Ritualen durchaus ein Zeichen für eine privilegierte Lebenssituation sein kann. Denn Traditionen leben können nur die, die Beständigkeit im Leben erfahren. Für diejenigen, die ihre Heimat verloren haben, ihre finanzielle Existenzgrundlage, einen Familienangehörigen oder den Partner, wird es vermutlich immer einen Bruch geben und Traditionen verändern. Weil sich das Fortführen schal anfühlt, weil die Mittel fehlen, die Menschen oder das Umfeld.

Traditionen zu pflegen hat aber auch mit bewussten Entscheidungen zu tun und dem Bemühen darum. Wenn zwei Menschen als Paar zusammenkommen, müssen sie für sich neu definieren, wie ihr Weihnachten aussehen soll, wessen Traditionen sie übernehmen und wo sie das Fest verbringen wollen. Weihnachten wird sicher erst zu dem Fest, das es sein kann, wenn man sich Zeit nimmt, die zugehörigen Bräuche zu pflegen. Singen, backen, schmücken, zusammen sein, sich beschenken.

Das soll jetzt allerdings nicht heißen, dass ich kein Verständnis, für die „Traditionsbrecher“ habe. Im Gegenteil. Ich konnte nach dem 10.(!) St.-Martinsumzug keine Laterne mehr sehen, was zu viel ist, ist zu viel, und wenn es nervt, tut es gut, alles mal anders zu machen. Dann kann man hin spüren, ob man doch etwas vermisst und im nächsten Jahr zu den Traditionen zurückkehren möchte oder ob es vielleicht auch mal gut ist. Wir machen dies Jahr so einiges anders, aber davon vielleicht im neuen Jahr…

Jetzt erst einmal:

Happy_new_year20

bis dahin, Eure Ella

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