Vorbereitung auf die Pubertät

Wie ihr ja mitbekommen habt, sind meine Kinder nicht mehr so ganz klein. Es geht in die Phase, vor der es wohl den meisten Eltern graut. Die Pubertät. Sie soll mit jedem weiteren Kind einfacher werden und ein Vater von vier Kindern erzählte mir einmal, sein Kleinster habe sich fürchterlich darüber aufgeregt, dass er seinen Vater durch nichts mehr provozieren konnte. Tja, beim Ersten wird es wohl anders sein. Wie so oft sind für mich die besten Ratgeber andere Eltern, entweder weil sie die anstehende Entwicklungsphase des Kindes bereits durchlebt haben oder aber einfach weil sie einen ganz anderen Blick auf die Welt im Allgemeinen und ihre Kinder im Besonderen haben. So fühle ich mich gerade ganz gut für die Pubertät gewappnet, denn ein paar gute Tipps habe ich bereits mitbekommen.

 

Eine Sportart finden

Eine Mutter riet mir dringend dazu, vor der Pubertät eine feste Sportart für meine Kinder zu finden, denn wenn erst einmal die Null-Bock-Phase beginne, habe man keine Chance mehr, so etwas zu implementieren. Diese Worte hatte ich im Hinterkopf und habe immer mal wieder zu einem Probetraining angestupst und bin heute mehr als glücklich, dass wir dieses Ziel erreicht haben. Denn jedes Training und jeder Wettkampf stellen jetzt eine Alternative zum Smartphone dar und zwar ohne Diskussion und auch noch mit Leidenschaft. Statt Coins und Likes gibt es Muskeln, Schweiß, und Peergroup und das so stark benötigte Dopamin ohne Nebenwirkungen. Und da ist Sport die weitaus gesündere Alternative zu Rauschmittelkonsum oder dem Zocken, die ebenfalls durch die Dopaminausschüttung in diesem Alter so attraktiv werden. Außerdem rät jeder Psychologe bei depressiven Verstimmungen zur Bewegung. Sport macht also im weitesten Sinne glücklich und stellt einen wichtigen Ausgleich dar.

 

Nicht mit dem Musikinstrument aufhören

Für absolute Bewegungsmuffel oder Kinder, die körperlich eingeschränkt sind, gibt es natürlich Alternativen. Auch Musik kann glücklich machen. Eine Mutter berichtete, dass ihr Sohn sich während der heißen Phase der Pubertät quasi wie eine Raupe in einen Kokon einspann und kaum noch in Kontakt mit seiner Familie trat. Was er allerdings in dieser Zeit exzessiv tat, war, Klavier zu spielen, obwohl er einige Jahre vorher aufhören wollte und keinen Spaß daran hatte. Ich kenne das selbst aus meiner Pubertät. Ich kam nach Hause, hämmerte meine Wut in die Tasten und konnte befreit wieder aufstehen, wenn es vorbei war. Sehnsucht, Melancholie, Enttäuschung, die gesamte Klaviatur der Gefühle. Es lohnt sich also, als Eltern manchmal hartnäckig zu sein und sein Kind zum Durchhalten zu ermutigen.

 

Das Kind vorbereiten

Ein Vater erzählte mir, dass er seinem Kind vor der Pubertät in einem Vater-Sohn-Gespräch genau geschildert hatte, was mit ihm und ihrer Beziehung passieren werde. Dieses konnte natürlich zu dieser Zeit kaum glauben, dass es seinen Vater blöd finden und es total unvernünftige Sachen tun werde und was sich sonst noch alles verändern werde. Jetzt ist der Junge vierzehn und wann immer es zu einer der vorausgesagten Situationen kommt, können sich die Beiden mit einem Schmunzeln auf ihr Gespräch beziehen. Der Papa ist zwar dann immer noch doof, aber das ist dann auch irgendwie okay so. Das fand ich auch eine schöne Sache.

Soweit die Theorie. Das Leben wird dann sowieso wieder ganz anders spielen, aber das macht es ja auch so spannend. Schreibt mir gerne Eure Erfahrungen. Und ich bin mir sicher, eine Fortsetzung folgt.

Das Volksbegehren und wie es weitergeht

BlütenWie ihr sicher alle mitbekommen habt, war das Volksbegehren zum Erhalt der Artenvielfalt in Bayern ein voller Erfolg. Mit 18,4 Prozent der Stimmen wurde die erforderte Quote von 10% weit übertroffen. Ermutigt durch den hohen Zuspruch in der Bevölkerung soll die Initiative jetzt vielleicht auch deutschlandweit durchgeführt werden. Ein klares Statement der Bürgerinnen und Bürger. Wer sich aktiv für mehr Pflanzen- und Artenvielfalt auf Äckern einsetzen möchte, kann das über das Portal Bluehwiese-kaufen tun. Stefan Greif, ein junger Landwirt aus dem oberfränkischen Pinzberg, hatte die Idee, Landwirte und Verbraucher zusammen zu bringen und hat ein Portal entwickelt, auf dem man durch einen Spendenbeitrag Pate einer Blühwiese werden kann und damit dem Landwirt einen finanziellen Ausgleich für die Nichtbewirtschaftung der Fläche leistet. Stefan Greif möchte damit kein Geld verdienen, sondern die Idee des Artenschutzes unterstützen. Eine gute Sache, finde ich. Sollte sich das Portal in Bayern bewähren, möchte auch er sein Projekt deutschlandweit anbieten.

Buchtipp: Alle, außer mir

Alle, außer mirWelche Assoziationen habt ihr zu „Italien“?

Bei mir sind das neben der aktuellen Politik noch immer Berlusconi, die Mafia und das gute alte Dolce Vita – Sonne, Strand, Vespa und Meer satt. Von einer ganz anderen, eher unbekannten Seite der italienischen Geschichte erzählt Francesca Melandri in ihrem Roman „ Alle, außer mir“. Eines Tages klingelt der junge Äthiopier Shimeta Ietmgeta Attilaprofeti an der Tür der Lehrerin Ilaria und behauptet, ihr Neffe zu sein. Da ihr Vater, Attilio Profeti, der inzwischen an Demenz leidet, bereits einen unehelichen Sohn hat und lange Zeit ein Doppelleben geführt hat, beginnt Ilaria zusammen mit ihrem Halbbruder in der Vergangenheit ihres Vaters zu recherchieren. Dieser war tatsächlich ab 1935 als Schwarzhemd während der Eroberung  durch die faschistischen Truppen Mussolinis und in den Jahren danach in Äthiopien und während Shimeta von seiner Fluchtgeschichte von Äthiopien nach Italien unter unmenschlichen Umständen, von Willkür und Ablehnung italienischer Behörden berichtet, wird immer wahrscheinlicher, dass dessen Behauptung über seine Herkunft wahr ist. Wir erfahren unterdes vom Wahnsinn der Kolonialisierung, vom Abschlachten, vom Sieg der Italiener durch den völkerrechtswidrigen Einsatz von Senfgas, von Massenvergewaltigungen und Misshandlungen und all das mit der Rechtfertigung von Rassengesetzen, den minderwertigen Völkern die italienische Kultur zu schenken und das Sklaventum zu beenden. Denn in Äthiopien betrachteten die Amharen die Oromo als minderwertig und unterdrückten diese. „Sangue giusto“ heißt der italienische Titel des Buches und darum geht es in diesem Roman, das „richtige“ Blut. Liest man im Jahr 2019 von diesen Gräueltaten, fragt man sich, wie man überhaupt jemals auf die Idee kommen konnte, einfach so in ein Land einzumarschieren und es zu erobern. Es erscheint so absurd. Aber auch diese Entwicklung hat natürlich ihren Ursprung weit vorher. Italien war bei der Eroberung von Kolonien spät dran und auch die Italiener wollten sich ihren Platz an der Sonne sichern. Attilio Profeti jedenfalls, dem als stattlichen, gut aussehenden Mann oft die Gunst der mächtigen Faschisten zu Teil wurde, gelingt es, auch in den Jahrzehnten danach seine Chancen zu nutzen und sich ungeschoren durch sein Leben zu lavieren, was eng mit der weiteren Entwicklung der italienischen Politik verbunden ist. Was mich wirklich erschreckt hat, ist, wie wenig ich von der Kolonialisierung durch die europäischen Staaten, Deutschland eingenommen, wusste und wie wenig sie allgemein thematisiert wird und somit auch die europäische Verantwortung für die Geschichte gerade vieler afrikanischen Länder klein gehalten wird. In „Alle, außer mir“, treffen Gegenwart und Vergangenheit aufeinander. Es wird mal wieder klar, dass alles miteinander verwoben ist und wir nicht nur Bruchstücke betrachten können, um uns ein gesamtes Bild vor Augen zu rufen. Ein wirklich beeindruckender Roman.

Wer mehr erfahren möchte, findet hier ein Interview mit Franceca Melandri.

Und ebenfalls bei Deutschlandfunk mehr Hintergründe zur Eroberung Äthiopiens.

Francesca Melandri, „Alle, außer mir“

ISBN 9783803132963 Verlag Wagenbach

 

Von Barbies und Kens

Barbie

Das ist meine erste Barbie. Ich kann mich zwar nicht mehr an ihren Namen erinnern, aber ich weiß, dass sie mein Frauenbild nachhaltig geprägt hat. Zumindest hatten alle Frauen, die ich als Kind und Jugendliche gezeichnet habe, Beine, die 2/3 ihrer Körperlänge ausmachten. Meine Eltern versuchten zwar, Barbies Einzug in unseren Haushalt zu verhindern, aber sie waren machtlos. Ich wollte sie und nur sie. Zumindest schafften sie es, mit ihrer Wahl ein Statement für „Diversity“ und gegen blondes Haar und blaue Augen zu setzen. Als ich dann heranwuchs, hörten meine Beine viel zu früh auf, emporzustreben, mein Busen kam über einen A-Cup nicht hinaus, die Taille blieb androgyn und noch so einiges andere entsprach gar nicht meinen Erwartungen. Verglichen mit Barbie war ich ein echtes Mängelexemplar, sofort zu retournieren. Es fiel mir schwer, meine Vorzüge zu sehen, was ich nicht allein ihr in die Schuhe schieben will. Das Glück, zu einem selbstbewussten Menschen heranzuwachsen und sich so zu mögen, wie man ist, ist nicht vielen gegeben.

Als ich Mutter zweier Söhne wurde, war ich froh, dass zumindest ihnen dieses Schönheitsideal nicht würde gefährlich werden können, selbst, wenn ich ihre Zimmer mit Barbiepuppen hätte tapezieren wollen (mal die Spätfolgen bei der Wahl der zukünftigen Schwiegertöchter in spe außen vor gelassen). Um so geschockter war ich, als ich letzthin im Bad mitbekam, wie sich meine Jungs gegenseitig mit ihren „Speckpacks“ * neckten. Meine ganz normalen, noch ziemlich jungen Kinder machen sich Gedanken über ihr Aussehen! Von wegen Barbie. Sie haben längst ihre eigenen Kens gefunden, Youtuber, die mit nacktem Oberkörper samt Sixpack Fitnessübungen vorturnen. Sie haben sich von uns ganz unbemerkt ins Kinderzimmer geschlichen und wir können dagegen so wenig tun, wie meine Eltern seinerzeit. Und Barbie ist ein ****dreck gegen das heutige Angebot von durch Make up, Filter und Photoshop optimierter scheinbar perfekter Vorbilder. Ich werde das ein oder andere Stoßgebet zum Himmel schicken und hoffen, meine Kinder werden sich dem Einfluss so manchen Influencers, deren Namen nicht umsonst dem der Influenza ähnelt, entziehen können( das war jetzt höchst unsachlich). Und natürlich auch sonst alles tun, um sie stark zu machen. Ansonsten wohl abwarten und Tee trinken.

Ein wenig nostalgisch werde ich trotzdem, wenn ich meine Barbie so dasitzen sehe. Wir haben viele schöne Stunden zusammen verbracht.

 

* Beim „Speckpack“ handelt es sich in diesem Falle um einen ganz normalen Bauch, bei dem sich kein Sixpack abzeichnet.