Tash Sultana

Es ist wieder passiert – ich habe mich in Musik verliebt und zwar in die der jungen Australierin Tash Sultana. Keine Wunder, das Multitalent, das neben ihrer Gitarre noch neun weitere Instrumente spielt und als One-Woman-Band furiose Auftritte hinlegt, hat eine Energie, die ganz besonders ist. Natürlich haben das vor mir schon viele andere entdeckt, die sie bei ihren Auftritten als Straßenmusikerin und auf ihren inzwischen großen Tourneen weltweit erleben durften. Hier eine kleine Kostprobe mit Ansteckungsgefahr…

Die „Ist doch nicht so schlimm“-Falle

Letze Woche bin ich wieder voll reingetappt in die „Ist doch nicht so schlimm!“-Falle. Mein kleiner Sohn kam tief frustriert vom Sport nach Hause, weil etwas so gar nicht geklappt hatte. Jammernd berichtete er, warum die Übung so überhaupt nicht funktionieren könne und was daran alles falsch und blöd und irgendwie sei. Da schnappte sie zu. Ich sagte: „Ist ja nicht so schlimm, du kannst ja noch üben und irgendwann schaffst du es dann.“ Die Tür zu seinen übersprudelnden Worten schloss sich im Bruchteil einer Sekunde und seine Trauer schlug in maßlose Wut um, weil ich einfach nichts verstand. Es ging nicht um irgendwann, es ging um jetzt, um seinen Frust und seine Trauer, diese einfach zulassen zu dürfen und mit ihr angenommen zu werden. Wir Erwachsenen haben ja oft dieses Bedürfnis, alle Sorgen und Probleme wegzuquatschen. Dabei geht es weder um Dramatisieren („Ach, mein armes Kind, der Trainer hat doch keine Ahnung!“) noch um Wegdiskutieren. Einfach dasein und zuhören. Das wäre es schon gewesen. Eigentlich ganz einfach, oder etwa nicht?

Buchtipp: Die Erfindung des Lebens

Die Erfindung des LebensWas geschieht mit einem Kind, das fast isoliert mit seiner Mutter in einer Kölner Wohnung aufwächst? Die andere Menschen meidet und nicht spricht, da sie aufgrund eines Traumas verstummt ist. Das Kind spürt, dass da etwas gewesen sein muss, aber man spricht nicht mit ihm darüber. Und so spricht auch das Kind nicht und die beiden leben symbiotisch zusammen, einander ohne Worte verstehend. Erst das beherzte Eingreifen des Vaters rettet das Kind aus seiner Isolation und nach und nach versucht es, sich und seinen Weg zu finden. Doch dieser Lebensbeginn klingt immer nach, auch dann noch, als er als junger Mann nach Rom ans Konservatorium geht, um Pianist zu werden und noch viel später, als er seine wahre Berufung erkennt. Ein faszinierender Roman von Hanns-Josef Ortheil, der weit über die letzte Seite anhält.

„Die Erfindung des Lebens“ von Hanns-Josef Ortheil

Verlag btb   ISBN 978-3-442-73978-3

Abwarten und Tee trinken

Tasse Tee trinken-01Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, denen weder Schwiegereltern noch Eltern in die Erziehung reinreden. Dennoch hat mir mein Vater einst einen „goldenen“ Tipp gegeben: manchmal einfach ein bisschen abzuwarten. Das klingt vielleicht etwas simpel, doch versetzen wir uns in eine dieser Situationen, die wir alle kennen: das Kind soll seine Spielsachen wegräumen und sagt ganz klar nein, weil es gerade mit etwas anderem beschäftigt ist. Die erregte Mutter möchte es aber sofort, weil doch gleich der Besuch kommt und es noch aussieht wie Sau. So, nun einfach weitermachen und der Eklat ist vorprogrammiert. Das Kind wehrt sich mit jedem „Räum` jetzt auf!“ vehementer, ( „Ich räume überhaupt nie mehr auf!!!“) und am Ende schreien beide, die Mutter räumt auf, das Kind weint und man öffnet süßlich lächelnd dem Besuch die Tür, obwohl man eigentlich lieber mitweinen und noch mal auf Start gehen würde. Jetzt aber der Trick mit dem Warten. Gleiche Situation. Mutter: „Kannst Du bitte Deine Spielsachen aufräumen, wir bekommen gleich Besuch.“ Kind: „Nein, ich kann jetzt nicht.“ Die Mutter geht nicht darauf ein, widmet sich letzten Vorbereitungen, kämmt sich vielleicht die Haare oder raucht noch heimlich eine Zigarette auf dem Balkon und was geschieht? Nach etwa 10 Minuten erscheint das Kind und verkündet, es habe zu Ende gespielt und würde jetzt aufräumen. Kein Scherz – habe ich so ähnlich erlebt. Kinder hassen Stress und sie hassen es, den Rhythmus anderer übergestülpt zu bekommen. Mögen wir ja auch nicht, sofort irgendwas machen zu sollen, wenn wir gerade unsere Lieblingsserie gucken. Jaja, ich weiß, es geht manchmal nicht anders, aber manchmal eben doch und dann ist alles viel einfacher. Manchmal muss man allerdings etwas länger warten, beispielsweise bei Geschmacksirritationen. Ich habe festgestellt, wenn ich Sachen, die meinem kleinen Kind aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund nicht gefallen, einfach ein paar Monate im Schrank liegen lasse, kann es sein, dass es sie irgendwann entdeckt und total dufte findet. Ehrlich – einfach abgewartet, Geld gespart. Und sogar so manche nervenaufreibende Entwicklungsphase lässt sich bisweilen aussitzen, wie mir einst der Vater von vier Kindern erzählte, dessen Jüngstes sich während seiner Pubertät bitterlich beschwerte, dass der Vater sich kein bisschen provozieren ließe. Aber dieser wusste ja schon, irgendwann ist es wieder vorbei. Wieso also aufregen? Tja und im Erwachsenenleben ist das große Abwarten sowieso eine wunderbare Sache. Bei Terminen, die ich schon Wochen vorher bekomme, beginne ich nicht mehr hektisch die Kinderbetreuung bis ins Letzte zu organisieren und eventuelle Engpässe zu lösen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Termin verschiebt oder ins Wasser fällt, liegt bei mindestens 25%. Also schone ich Ressourcen und freue mich, wenn sich meine Probleme von alleine lösen. Danke, Papa!