Weitsicht

Wenn ich herausbekommen möchte, wie alt mein Gegenüber ist, muss ich es nur in ein Gespräch über Musik oder alte TV-Serien verwickeln und schon lässt sich der Jahrgang ziemlich exakt bestimmen. Reagiert es auf „ Gute Nacht, John-Boy“, die Miami Vice Theme oder Knight Rider hat es mit Sicherheit die 40 geknackt. Aber auch ohne Worte lassen sich meine Altersgenoss(inn)en mittels Beobachtungsgabe sehr einfach entlarven. Da ist nämlich diese Sache mit der Sehschwäche, die so ziemlich jeden spätestens mit 45 erwischt und die alle mühsam zu kaschieren suchen, fühlen wir uns doch noch so gar nicht dieser Altersgruppe zugehörig. Da werden Handydisplays am ausgestreckten Arm gehalten und verschämt Lesebrillen gezückt, um einen Text entziffern zu können und ebenso schnell wieder wegversteckt. Mitunter nimmt das Ablehnen altersgerechter Hilfsmittel bisweilen absurde Züge an, wie zuletzt geschehen, als beide Kassiererinnen an einer H&M Kasse meinen Umtausch kaum abwickeln konnten, weil sie ihre Lesebrillen zu Hause vergessen hatten. Mensch, Mädels, ihr seid doch nicht allein. Wir sind alle eine große Familie von Weitsichtigen. Und Sehhilfe muss ja nicht unsexy sein. An meinem Mann entdecke ich gerade eine ganz neue Seite, wenn er abends neben mir im Bett seine Lesebrille zückt. Hot.

Geschenktipp: The British Orchestra of Ukulele

Eher zufällig bin ich letzten Monat über das British Orchestra of Ukulele gestolpert und habe ein Konzert besucht. Und was erst einmal etwas unspektakulär klingt, stellte sich als ziemlich genial heraus- da sitzt eine Reihe von begnadeten Musikern auf der Bühne, jeder für sich mit hervorragender Stimme, ganz individuellem Humor und Style gesegnet und zieht eine Riesenshow mit ihren kleinen Instrumenten ab. Das Spektrum reicht von Händel bis Nirvana und macht Lust, sich öfter Zeit zum Musikerleben zu nehmen. Damit gastiert das Orchester seit über 30 Jahren auf der ganzen Welt. Im Februar kehrt es nach einem Gastspiel in den USA und Großbritannien zum Glück wieder nach Deutschland zurück. Wer also sich oder seinen Lieben ein cooles Geschenk machen möchte, sollte sich mal die Tourdaten ansehen.

http://www.ukuleleorchestra.com/index.php/upcoming-events/?loc=0/

Und hier noch eine Kostprobe:

Süßes sonst gibt’s Saures war gestern!

Dieses Jahr hatte ich zu Halloween ein ganz besonderes Erlebnis.  Wir waren bei Freunden in Hamburg zu Besuch. Sie hatten extra noch Süßigkeiten besorgt, weil im Jahr zuvor Kinder kamen und sie nicht vorbereitet waren. Dieses Jahr stand also eine reich mit Schokoriegeln, Gummibärchen und Schokolinsen in kleinen Packungen gefüllte Schüssel an der Tür, um für alle kleinen gruseligen Besucher gewappnet zu sein.

Und tatsächlich, es klingelt am frühen Abend an der Tür und da stehen schon direkt drei Gespenster mit richtig schauerlich geschminkten Gesichtern vor uns. Meine Freundin Charlotte hält ihnen freudig ihre Schüssel mit den Leckereien unter die Nase und was sagen da die Kinder: OBST oder GEMÜSE!

Sichtlich verwirrt muss sie einen Augenblick überlegen und fragt dann, ob sie tatsächlich Obst und Gemüse wollen – die Gespenster bestehen darauf. Während Charlotte die Schüssel mit den Süßigkeiten beiseite stellt, um in der Küche den Obstkorb zu holen, frage ich die Kinder, ob wirklich SIE das gesunde Zeug wollen oder ihre Eltern, und sie sollten doch den Eltern sagen, dass es nur Schokolade gab! Ich werde aber ignoriert und als meine Freundin mit dem Obstkorb zurückkommt, stürzen sie sich auf Äpfel, Bananen und Kiwis und ziehen weiter.

Zurück blieben die konsternierten Erwachsenen, die den ganzen Abend nicht darüber hinwegkamen, was nur aus unseren Kindern geworden ist und was sie wohl mit dem Gemüse wollten!?