Einfach gut.

Familienplaner Grätz VerlagWir haben dies Jahr erstmals einen Familienkalender geschenkt bekommen. Eigentlich nichts wirklich Neues, so ein Kalender, aber wir hatten tatsächlich noch nie einen. Und ich muss sagen – bitte nie mehr ohne. Meine äußerst unflexiblen Kinder können sich endlich rechtzeitig auf das einstellen, was so an Terminen in der nächsten Zeit ansteht, vom Zahnarzt bis zum Besuch des besten Freundes. Sie wissen, wann ich arbeiten muss und wann vielleicht die Tagesoma kommt. Mit einem Satz: sie fühlen sich in die Planung miteingeschlossen, anstatt vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Eine einfache Maßnahme mit hoher Zufriedenheitsgarantie – schwer zur Nachahmung zu empfohlen!

Abbildung: Familienplaner, Grätz Verlag, ISBN-13: 9783944156514

Gefühlskram

Wenn man als weibliches Wesen einen Sohn bekommt, merkt man ganz schnell, dass diese kleinen Minimänner von Anbeginn irgendwie anders ticken. Da gibt es zum einen dieses lustige Spielzeug zwischen ihren Beinen, das sie von Anfang an hingebungsvoll beschäftigt, da sind aber auch diese Kräfte enormen Ausmaßes und die scheinbar unerschöpfliche Energie und Körperlichkeit, die es zu lenken gilt. Um alle Klischees zu bedienen, sind Jungs zudem eher zahlen- als buchstabenaffin und kombiniert man all diese Fragmente zu einem Ganzen, scheint es eine logische Folge zu sein, dass Jungs eher die Fäuste sprechen lassen, als über Gefühle zu reden- was dann, längst zu stattlichen Exemplaren der Gattung Mann herangewachsen, zu (für die Partnerin) unerklärlichen Spontantrennungen führen kann, da eine gewisse Unzufriedenheit im Vorfeld von Seiten des Mannes nie kommuniziert wurde. Weil er eben im Allgemeinen nicht so viel kommuniziert. Aber nun mal ehrlich. Wo sollen sie es denn lernen? Wann fragen wir Erziehungsbeauftragten denn einfach mal „Hey, wie geht’s Dir eigentlich?“ , beispielsweise anstelle des obligatorischen „Wie war`s in der Schule?“, dem sowieso nur ein lustloses „Geht.“ folgt, das das Gespräch auch umgehend wieder beendet. Aber wir tun es immer wieder, so wie es schon unsere Eltern getan haben und einfach nicht gecheckt haben, dass das nur nervt. Unser Alltag besteht oft nur aus der Abfrage organisations-, schul-, oder arbeitsrelevanter Themen. Konflikte werden meist entnervt durch ein Machtwort oder Sanktionen geregelt, anstatt nachzufragen „Was war denn eigentlich los? Was hat Dich so wütend gemacht? Was hättest Du Dir denn gewünscht?“ Miteinander ins Gespräch zu kommen und selbst von seinen Gefühlen zu erzählen, würde vermutlich helfen, den Jungs ein paar andere Tools mit an die Hand zu geben als den Nahkampf. Jungs könnten so lernen, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden und darüber zu reden, anstatt alles mit sich selbst auszumachen und ab und an zu explodieren. Da sind die emotionalen, mitteilungsfreudigen Mädels deutlich im Vorteil, müssen sie ja nicht den coolen Checker mimen. Ich sehe schon manch witzelnden Herren vor mir, der über diese Warmduscherei spöttelt. Aber glaubt mir, auch ihr hättest es mit Sicherheit manchmal leichter, wenn das mit den Gefühlen nicht so schwer wäre.

Aktenzeichen XY….

Aus verlässlicher Quelle psychotherapeutischer Kreise kam mir jüngst zu Ohren, dass ein Großteil unserer Generation nachhaltig durch die Fernsehserie „Aktenzeichen XY… ungelöst“ geschädigt wurde. Diese Sendung war in den 70er und 80er Jahren der Straßenfeger schlechthin und fesselte am Freitagabend etwa Zwei Drittel aller Fernsehzuschauer. Allerdings war dies auch der Tag, an dem die Eltern gerne mal ausgingen. Also blieben die Kinder alleine zu Haus. Das Älteste hatte meist kein Einsehen, dass das Verbrechen bei den kleineren Geschwistern tiefe Spuren hinterlassen könnte in dem von den Eltern verlassenen Zuhause. Die Folge: Tausender traumatisierter Kinder, die bis ins Erwachsenenalter unter Verfolgungswahn, Panikattacken und diffusen Ängsten leiden. Ich überlege, eine Opfer-Hotline einzurichten. Und aus den Berichten ein Buch zu schreiben. Betroffene wenden sich bitte vertrauensvoll an mich.

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Nicht über meine Leiche

Ich habe gefühlt schon immer einen Organspendeausweis, fand ich es seit jeher doch reichlich verschwenderisch, meine Innereien ungenutzt nach meinem Ableben verbrennen oder verrotten zu lassen, wenn sie anderenorts noch wunderbare Dienste leisten könnten.Organspende Noch ist ja alles soweit ganz gut in Schuss, sieht man mal von so ein paar Mängeln ab wie der unzureichenden Sehleistung, die das Leben aber ja durchaus auch angenehm weichzeichnen kann. Angst, ich könne zum Zeitpunkt der Organentnahme noch nicht wirklich tot sein, hatte ich eigentlich nie, gehöre ich doch eher weniger zu jenen Abenteurern, die Länder bereisen, wo man das mit der Freiwilligkeit und dem Zeitpunkt des Ablebens vielleicht nicht so ernst nehmen könnte. Es gibt nur eine Ausnahme, die ich jedes Mal ganz dick vermerke: ich möchte auf keinen Fall der Wissenschaft überantwortet werden. Sozusagen nicht über meine Leiche. Und daran ist einer meiner Exfreunde Schuld. Ich weiß nicht, was seine Intention war, mich in einen Anatomiesaal mitzunehmen, in dem angehende Mediziner lernten, Leichen zu präparieren. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht mehr, warum ich überhaupt mitgekommen bin. Diese Frage stellte ich mir damals erst, als ich inmitten der leblosen Körper stand und mich dieser unangenehme Geruch in sich aufnahm. Sicher, als angehende Maskenbildnerin hatte auch ich mich mit Anatomie beschäftigt und wir hatten das ein oder andere unappetitliche Präparat menschlicher Missbildungen studiert, aber ich hatte definitiv nichts in diesem Saal zu suchen. Die Student(inn)en versuchten locker zu sein und übten sich an ihren ersten Scherzen im unverkrampften Umgang mit dem Tod. Treue Tatortkonsument(inn)en wissen, dass der Umgang mit einer Leiche etwas ganz Natürliches sein kann, der dem geübten Pathologen weder Appetit noch Laune verdirbt. Aber Scherze und Indiskretionen auf meine Kosten, wehrlos in einer Formaldehydwolke aufgebahrt, ohne mich, Leute. Vielleicht wäre das die richtige Verwertung für einen Exhibitionisten. In seinem Organspendeausweis müsste vermerkt sein: ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken. Endlich könnte er sich in seiner ganzen Pracht präsentieren und täte damit zumindest einmal in seinem Leben etwas Gutes.

Alle Kinder. Ein ABC der Schadenfreude.

ABC der SchadenfreudeKinder lieben Reime. Und die aus dem „ABC der Schadenfreude“ ganz besonders, denn sie sind so richtig schön gemein. Hier ein paar der Reime, die nicht nur Kindern eine diebische Freude bereiten:

Alle Kinder springen ins Wasser. Außer Berta – die landet härter. Oder wie wär`s mit: Alle Kinder gehen zum Friedhof. Außer Hagen – der wird getragen. Auch sehr nett: Alle Kinder lieben Piranhas. Außer Annegret, die im Becken steht.

Alle Kinder lieben jedenfalls fiese Verse und ergänzen die 26 schlimmen Gedichte mit immer neuen Eigenkreationen und überbieten sich gegenseitig mit Wortspielen und Reimkunst. Ein Spaß für alle finsteren Zeitgenossen und ein tolles Geschenk für Leseanfänger. Die Illustrationen sind zwar ebenfalls sehr schön, aber irgendwie bei all dem Wortwitz gar nicht so wichtig. Verbreiten tun sich die Sprüche auch ungesehen von Kind zu Kind.

Alle Kinder, ABC der Schadenfreude, von Martin Schmitz-Kuhl( Text) und Anke Kuhl(Illustration)

Klett Kinderbuch, ISBN 978-3-95470-042-4