ANNENMAYKANTEREIT.

AnneMayKantereitIch habe mich in ihre Songs verliebt, als wir durch schwedische Landschaften sausten und ich auf dem Beifahrersitz das Songbook in den Händen hielt. So gute Texte, genial in die Melodie gegossen, Gefühl auf den Punkt. Da ist diese rauchige Stimme, die in zwanzig Jahren Kneipe entstanden zu sein scheint und die die Kraft von reichlich Lebenserfahrung besitzt. Mit der ist es aber gar nicht so weit her. Die Kölner Jungs sind alle erst Anfang 20. Und so erzählen ihre Songs von dem jungen Leben, Fernbeziehung und Liebeskummer. Bei mir alles schon ganz schön lang her, aber ich verstehe jedes Wort. Einfach gut.

Guckt mal rein, auch wenn ich finde, dass die Songs von „WIRD SCHON IRGENDWIE GEHEN“ ohne optische Ablenkung fast noch besser kommen.

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Phasen

Den meisten Eltern ist, bevor sie sich auf das „Abenteuer Kind“ einlassen, wohl bekannt, dass sie sich während der meist mehrere Jahre andauernden Trotzphase ihres Zöglings auf – nennen wir es – sich wiederholende Unannehmlichkeiten einstellen müssen, ebenso wie in den Jahren der Pubertät, während der den treu sorgenden Elternteilen mit größter Wahrscheinlichkeit ein rauer Wind entgegen blasen wird. Dass aber auch die Zeit dazwischen von größter Sensibilität gepaart mit eruptionsartigen Ausbrüchen geprägt ist, wird mitunter verschwiegen. Mir schwant langsam, dass das Kind eine einzige Phase ist.

Schneller Rat ist leicht zu haben

Man bekommt im Laufe seines Lebens ja viele Ratschläge – gute und schlechte, gefragt und ungefragt. Aber wenn man Kinder hat, scheint plötzlich jeder in deiner Umgebung Erziehungsspezialist zu sein und seinen reichen Wissensschatz kundtun zu müssen. Im besten Fall sind es Freunde oder Verwandte, die tatsächlich aus eigener Erfahrung sprechen. Ich selbst nehme mich davon nicht aus. Auch ich gebe meine Erfahrungen gerne und freigiebig an befreundete Mütter weiter. So hat zum Beispiel das „Schreien lassen“ bei meiner Tochter, die mit einem dreiviertel Jahr nachts immer öfter aufwachte und nicht einschlafen wollte, so schnell so gut funktioniert hat, dass ich diese Methode immer gerne weiterempfehle.

Besonders nervig sind die ungefragten und meist nicht sehr hilfreichen Ratschläge von völlig Fremden. Man muss nur mal mit schreiendem Baby in der U-Bahn fahren. „Das hat bestimmt Hunger“ sagen einem da Menschen, die man noch nie gesehen hat, mit vorwurfsvollem Gesicht! Danke auch, als ob es nicht auch andere Gründe gäbe, warum ein Baby schreien kann. Und wenn es tatsächlich Hunger hat, weiß die Mutter das am allerbesten und wartet nur darauf, schnell auszusteigen und nach Hause zu eilen um endlich stillen zu können.

Ein besonders skurriler Rat, den man tatsächlich von Fachleuten bekommt, ist Säuglingen, denen man ja noch nicht die Nägel schneiden soll, diese einzuspeicheln und abzukauen!!! Kann das wirklich wahr sein? Also mal abgesehen von dem Einspeicheln (wie lange soll ich denn da mit meinem bakterienverseuchten Speichel auf der kleinen Hand rumlutschen?) – wie soll das bitte funktionieren? Ein Zahn von mir ist doch schon mindesten fünfmal so groß wie so ein kleiner Nagel! Wie soll ich denn mit zwei von den Riesendingern das Mininägelchen überhaupt zu fassen kriegen geschweige denn zwei Millimeter davon abknabbern ohne dass ich das kleine Fingerchen annage!

Also an gutgemeinten Tipps mangelt es einem als Mutter sicher so gut wie nie. Oft möchte man diese tatsächlich auch, weil man mit kleinen Kindern immer wieder Situationen ausgesetzt ist, zu denen man keine passende Lösung findet. Aber häufig musste ich feststellen, dass selbst gute Ratschläge nicht immer funktionieren, weil Kinder oft einfach zu unterschiedlich sind. Worauf ein Kind anspringt, funktioniert bei dem anderen nicht. Oder es klappt zweimal, aber beim dritten Mal plötzlich nicht mehr. Letztendlich hilft wohl nur ausprobieren und deshalb sind die vielen Ratgeber da gar nicht so schlecht. Aber bitte nicht von Wildfremden – euren Rat will ich wirklich nicht hören!

Die Lebenserhalter

Ein Bekannter erzählte mir letztens, das schwerste am Schreiben seines Buches für die Habilitation sei es, kein Feedback zu bekommen. Er sitze jahrelang zu Hause, ohne dass jemand etwas von dem mitbekomme, was er tue- mit Ausnahme seiner Frau. Und ich konnte ihn gut verstehen. Ich zehre auch sehr davon, wenn mir jemand Rückmeldung auf einen Blogbeitrag gibt, sei es im persönlichen Gespräch oder durch ein like, einen neuen follower oder einen Kommentar. In dem Moment weiß ich, hey, da kommt was an von dem, was ich mir denke. Dann weiß ich, es macht Sinn. Ich habe eine Freundin, die mir nach jedem Treffen ein kurze Mail schreibt, in der sie sich für die gute gemeinsame Zeit bedankt. Ich freue mich jedes Mal riesig. Und auch meine Schwester schickt oft eine SMS hinterher, wenn wir nach einem Besuch wieder auf der Autobahn sind. Da steht dann so was, wie es war schön mit Euch. Ich bin da leider nicht so gut drin. Und deshalb schicke ich jetzt mal ein Danke in die Welt, an all die aufmerksamen Menschen und Freunde, die mich am Leben erhalten!

Von kleinen Helfern und großen Verweigerern

In den frühen Lebensjahren eines Kindes gibt es ein Zeitfenster, in dem es alles selber machen will. Anziehen, Tisch decken, Spülmaschine ausräumen. Was wir Eltern ja an und für sich wünschenswert finden, stellt uns im durchgetakteten Alltag oft vor große Probleme. Aus Zeitmangel ( „Wir müssen jetzt aber wirklich los, sonst kommen wir zu spät in die Kita…zur Arbeit…zum Kinderturnen…zum Kindergeburtstag…zum Kinderarzt…zum Musikgarten usw..!“) oder aber aus Sorge um das Meissener Porzellan und/oder das Kindeswohl ( es könnte stolpern und sich an einer Scherbe schneiden! ), gewöhnen wir ihm dieses Bedürfnis oft schnell wieder ab. In der Pädagogik spricht man von „Entmutigen“. Das Kind zieht sich in die Passivität zurück und lässt sich künftig anziehen, seine Schuhe binden, den Teller hinstellen, kurzum: es lässt sich bedienen. Wird das Kind dann allmählich zum Teenager, müssen wir entsetzt feststellen, dass es sich überhaupt nicht im Haushalt engagiert und jede Aufforderung zur Mithilfe als Zumutung empfindet. Bemüht, das Versäumte nachzuholen, konstruieren wir Haushaltspläne und verzweifeln tagtäglich an der Aufgabe, erlernte Verhaltensmuster zu durchbrechen. Tja, was soll ich sagen, selber schuld. Also, die, die ihr noch Kleinkinder habt, lasst es auf einen Versuch ankommen: Streicht ein paar Termine, lasst sie Teller und Gläser herunterschmeißen, was das Zeug hält, Schuhe verkehrt herum anziehen, zu spät kommen und die Küche beim Mithelfen verwüsten. Bezieht sie mit ins Leben ein und sie werden stolz ihre Aufgaben übernehmen. Wahrscheinlich. Zumindest vielleicht, bis sie Teenager sind. Und mal ehrlich, was sind dagegen ein paar kaputte Teller?

Kinostart: About a girl

Filmplakat about a girlDie Nürnberger Produktionsfirma Imbissfilm der zwei wirklich netten Jungs Michael Stehle und Martin Rehbock haben sich bisher „nur“ mit Kurzfilmen einen guten Namen gemacht. Jetzt haben sie ihren ersten Kinofilm produziert und der läuft kommenden Donnerstag an. Die Zuschauerzahlen der ersten Tage entscheiden darüber, in wie vielen Kinos ein Film gezeigt wird. Also, Babysitter anrufen und nichts wie hin! Ein paar Auszeichnungen hat der Film übrigens schon und Heike Makatsch ist auch mit dabei. „Ein Film der bösen, der schlagfertigen, der morbiden Dialoge“, wie die Welt schreibt. Na dann, viel Spaß!

Teaser und Inhalt unter: about a girl