Buchtipp für die Sommerferien:

Latte-Igel-WassersteinFür mich ist es inzwischen Tradition, vor den heiß ersehnten Sommerferien ein schönes Vorlesebuch auszusuchen und das wird bei uns dies Jahr „Latte Igel und der Schwarze Schatten“ sein. Die erste Geschichte „Latte Igel und der Wasserstein“ schrieb der finnische Autor und Lyriker Sebastian Lybeck bereits 1958 und steht sprachlich einer Astrid Lindgren oder einem Erich Kästner in nichts nach. Der Wald, in dem Latte Igel mit seinen Freunden lebt, ist durch großen Wassermangel davon bedroht, zu Grunde zu gehen. Der Rabe Korp erzählt Latte Igel von dem wundersamen Wasserstein, aus dem ohne Unterlass Quellwasser sprudelt. Der Bärenkönig Bantur hat ihn in seinen Besitz in den finsteren Nordwald gebracht. Ihn zurückzuholen, würde den Wald retten. So macht sich der kleine Igel auf den gefährlichen Weg durch das Gebiet der Wölfe und Luchse, obwohl er nicht gerade der geborene Superheld ist. Man taucht beim Lesen sofort in die Welt des Latte Igel ein. Die sprachlichen Bilder sind ganz klar, man kann den Wald fast riechen und fühlen. Die Kinder, die sich mit dem kleinen Igel auf die Reise machen wollen, müssen also schon ein wenig mutig sein. Aber dann lieben sie dieses spannende Buch und können es kaum erwarten, zu hören, wie das Abenteuer weiter geht. Auch der zweite Band „ Latte Igel reist zu den Lofoten“ kann diese Erwartungen erfüllen. Ein Buch, für das Kinder eher ins Bett gehen, damit sie beim Vorlesen endlich erfahren, ob es Latte Igel und seinen Freunden gelingen wird, die kleine Elfe Kirivi aus den Fängen des Adlers Groff zu befreien. Den dritten Band „Latte Igel und der Schwarze Schatten“ schrieb der Autor erst 2005, also fast 50 Jahre nach dem ersten Roman, nachdem er viele Jahre seine Frau gepflegt hatte und diese schließlich verstarb. Diese schmerzliche Erfahrung hat auf diesen Band abgefärbt. Latte Igel ist alt geworden und müde. Er wird in eine Parallelwelt gezogen, in der alles grau ist und ihn seine Freunde nicht mehr erkennen. Der kleine Igel schafft es jedoch, sich aus seiner Lage zu befreien und in seine Welt zurückzukehren. Eine Erfahrung, die viele Menschen nach einem solchen Verlust durchleben. Das ist kein Sommerbuch? Ich finde, der Schatten gehört zur Sonne. Und bin gespannt, wie Latte Igel diese mehr als schwierige Aufgabe bewältigen wird. 2012 hat Sebastian Lybeck schließlich mit dem Illustrator Daniel Napp das wunderschöne Bilderbuch „ Ein großer Tag für Latte Igel“ herausgebracht, in dem Latte Igel seinen Geburtstag auf einer Reise quer durch den Wald mit all seinen Freunden feiert. Happy end? Mal sehen, ob uns Sebastian Lybeck noch eine Fortsetzung schenken wird.

Sebastian Lybeck: Thienemann Verlag

„Latte Igel und der Wasserstein“ ISBN-13: 978-3522180511 ab ca. 6 Jahre

„Latte Igel reist zu den Lofoten“ ISBN-13: 978-3522182836

„Latte Igel und der Schwarze Schatten“ ISBN-13: 978-3522180528

„Ein großer Tag für Latte Igel“ ISBN-13: 978-3522437141 ab ca. 4 Jahre

Alte Mama

In vieler Hinsicht bin ich eigentlich ganz zufrieden, dass ich nicht sehr jung Mutter geworden bin. So habe ich nicht das Gefühl dass ich etwas verpassen würde, weil ich ja viele Jahre immer das machen konnte, was ich wollte. Mit Ende dreißig wusste ich, dass die Abende in Kneipen und Clubs zu verbringen auf Dauer auch keine Erfüllung bringt. Auch wenn sowas jetzt schon ein bißchen häufiger sein könnte, vermisse ich es im Grunde selten. Von Verwandten oder Freunden, die schon früher Eltern wurden, hat man doch schon eine ungefähre Ahnung was einen erwartet. Zwar kann man sich die Veränderungen, die ein Kind für das eigene Leben bedeutet, nicht wirklich vorstellen, aber man ist zumindest darauf gefasst, dass es ein bedeutender Einschnitt sein wird. Man hat sozusagen durch andere Erfahrungen gesammelt, aber genau da liegt auch die Schwierigkeit einer „alten“ Mama. In all den Jahren, in denen man andere Eltern beobachtet, Folgen der Supernanny gesehen und sich über unerzogene Kinder und noch mehr über ihre unmöglichen Eltern aufgeregt hat, haben sich gewisse Vorstellungen ausgeprägt, wie man selbst als Mutter sein will, wie die Erziehung wohl gut funktionieren und wie man es selbst besser machen könnte als die anderen. Wenn das dann in der Wirklichkeit nicht so läuft wie gedacht, fehlt einem -also zumindest mir- leider oft die nötige Gelassenheit. Sich einzugestehen, dass man sich getäuscht hat und einfach etwas anderes zu probieren fällt schwer. Ich weiß mit 25 hatte ich keine genauen Erziehungsvorstellungen, hätte sicher weniger Erwartungen mich gehabt und deshalb viele Situationen auch lockerer genommen als jetzt. Diese Unbeschwertheit versuche ich mir jetzt zumindest ein bißchen wieder anzueignen – für mich, aber vor allem auch für meine Kinder!

Facebook, Twitter, Instagram , Google+, You tube, tumblr, pinterest, Xing – und wo bleibe ich?

Während sich unsere Großeltern im Laufe ihres Älterwerdens nur daran gewöhnen mussten, dass Telefone zunächst keine Wählscheiben mehr hatten, dann keine Schnur und man sie schließlich überall mit hinnehmen konnte, mussten sich unsere Eltern der Herausforderung des Internets stellen, wollten sie nicht vorzeitig zum alten Eisen gehören. Mit welchen Herausforderungen wir einmal konfrontiert sein werden, mag ich mir gar nicht vorstellen, teilt sich doch bereits jetzt die Gesellschaft in die Gruppe der begeisterten Internetnutzer, die bei Facebook, Twitter oder Instagram zu Hause sind und in die „Verweigerer“, für die es das höchste Maß an Anpassungsbereitschaft ist, einen E-Mail Account zu haben. Die nicht wissen, was ein Blog ist und Angst davor haben, auf Facebook zu erscheinen, sollten sie auf ein falsches Feld klicken. Ursache für die weite Bandbreite an Nutzungsbereitschaft ist sicherlich oft der Beruf, denn der ist meiner Meinung nach einer der Hauptgründe jenseits der dreißig, sich mit Social Media und den ständig neuen Plattformen auseinandersetzen zu müssen – oder eben auch nicht. Wer im weitesten Sinne mit PR zu tun hat, kommt nicht um Social Media herum. Als kleiner Ein-Mann(Frau)-Betrieb kann man das Füttern der verschiedenen Netzwerke und Plattformen allerdings kaum mehr stemmen, auch wenn Posts inzwischen automatisch auf verschiedene Plattformen gestreut werden können. Größere Firmen haben heute fast alle zusätzliches Personal, das sich ausschließlich um zeitlich perfekt abgestimmte Posts, Tweets und Pins kümmert. Was vor gefühlt sieben Jahren massentauglich mit „like mich auf Facebook“ begann, sieht inzwischen aus wie eine Werkzeugpalette im Photoshop: Facebook, Twitter, Instagram , Google+, You tube, tumblr, pinterest, Xing und jeden Monat ein neues Tool. Wer nicht muss, ist meist froh, nichts damit zu tun zu haben und hat oft wenig Ahnung, worum es dabei geht. Und so teilt sich die schöne, neue Welt, schon lange, bevor wir alt geworden sind. Fakt ist, dass technische Entwicklungen immer schneller fortschreiten und wer nicht mithält, ganz schnell draußen ist. Ältere Rechner funktionieren nicht mehr mit neuer Software, der ältere Drucker nicht mehr mit dem neuen Rechner. Ich selber bin schon lange nicht mehr in der Lage, Telefon- und Internetleitungen anzuschließen und ein funktionierendes System aus Rechnern und Festplatten einzurichten. Ich synchronisiere weder verschiedene Endgeräte, noch nutze ich die Cloud. Ich bin eben eine aus der Grauzone. Noch lange, bevor ich grau geworden bin. Wo ich in zwanzig Jahren sein werde, liegt außerhalb meiner Vorstellungskraft.

Würde ich diesen Artikel „Europa“ nennen, würde ihn keiner lesen

Was man von der Europapolitik so mitbekommt, ist ja nicht gerade ein Glanzstück. Die scheinbar unlösbaren Probleme mit Griechenland in Dauerschleife und das Versagen, sich auf eine europäische Flüchtlingspolitik zu einigen und die Unterbringung der in Italien und Griechenland ankommenden Flüchtlinge gemeinsam zu schultern, werfen kein gutes Licht auf die EU. Jedes Land scheint sich selbst am nächsten und der europäische Gedanke manchmal Lichtjahre entfernt. Aber dann gibt es da so heimlich, still und leise den ein oder anderen Gesetzentwurf des europäischen Parlaments und dessen Umsetzung, bei dem ich mir denke, das macht ihr wirklich gut. Die europaweite Abschaffung der Glühbirne hat noch so manchen vor den Kopf gestoßen, empfanden doch viele das Gesetz, wie das Eigenheim zu beleuchten sei, als Eingriff in die Privatsphäre. Aber es ist nun leider mal so, dass wir Menschen ein bequemes Völkchen sind und wider besseren Wissens gerne an alten Gewohnheiten festhalten und manchmal zu unserem Glück gezwungen werden müssen, zu träge sonst der Apparat. Jetzt geht es beispielsweise der Plastiktüte an den Kragen. Viele von uns wissen um den im Nordpazifik treibenden Plastikteppich einer Ausdehnung, die der zweifachen Fläche Deutschlands entspricht. Dennoch gehört der gute alte Einkaufskorb zu einer aussterbenden Gattung und alle bereits erworbenen Stoffbeutel liegen meist daheim, wenn wir noch spontan nach Feierabend etwas einkaufen gehen. Jetzt hat die EU beschlossen, dass der Pro-Kopf Verbrauch von etwa 200 Tüten pro Person und Jahr reduziert werden muss. Ein Weg dahin: die Abschaffung kostenloser Plastiktüten an den Kassen. Wir werden per Gesetz erzogen und das wird Zeit. Auch das Gesetz, dass es ab 2017 einheitliche Ladekabel für Handys, Tablets und Smartphones geben soll, ist einfach nur gut und sinnvoll. Leicht vorstellbar, wie viel Elektroschrott dadurch vermieden werden kann, tummeln sich bei den meisten von uns daheim sicherlich fünf verschiedene Ladekabel längst ausrangierter Handys. Wir hätten aber wohl bis in alle Ewigkeit warten können, bis die Industrie diese Idee in Selbstverpflichtung umgesetzt hätte, geht ihr doch dadurch eine lukrative Einnahmequelle verloren. Und jetzt hat der EU – Ministerrat auch noch für die Abschaffung der Roaming-Gebühren bis 2017 gestimmt. Wunderbar, wenn ich mir keine Gedanken mehr über meine Telefongebühren machen muss, ob ich nun zu Hause, in Italien oder Frankreich bin. Da steht doch einer nahezu grenzenlosen Kommunikation mit unseren europäischen Nachbarn quasi nichts mehr im Weg und vielleicht klappt es dann auch mit der Verständigung bei den ganz großen Themen besser. Ich habe jedenfalls das Gefühl, dass da einige sinnvolle Dinge passieren, ganz ohne mein Zutun und manchmal scheinbar der Zeit voraus. Vielleicht ist das mit Europa doch besser als sein Image.

„Roots & Flügel“

MellowMark_Roots-und-Fluegel_CoverMellow Mark`s neues Album „Roots & Flügel“ ist da- starke Reggae/ Hip Hop Songs mit unbequemen Inhalt. Mellow Mark bleibt seinen politischen Wurzeln treu und singt massiv gegen soziale Missstände an. Für ihn sind Menschen unterschiedlichster Herkunft und Glaubensrichtungen eine Familie, diese Botschaft trägt er in die Welt. Und ich finde, in dieser Zeit, wo neue Feindbilder aufgebaut werden, rassistische Übergriffe wieder stark zunehmen und Stimmung gegen Asylsuchende gemacht wird, ist das ein sehr wichtiges Bekenntnis. Jedes zehnte Kleinkind wächst laut „heute“- Journal weltweit in Kriegsgebieten auf und wir haben Angst um unseren Wohlstand, wenn Flüchtlinge unsere Hilfe suchen. Also, Zeichen setzen, die Fenster aufmachen und ganz laut Mellow spielen!

Das Album gibt`s dort: http://www.mellowmark.de/shop

Und hier eine Kostprobe aus „Roots & Flügel“: