Freitagabend

BriefmarkeEs gibt sie noch, die Kinder, die Briefmarken sammeln, im Jahr 2014. Ich hätte das nicht gedacht. Bei meinem Kind beschränkte sich die Sammelleidenschaft allerdings auf das Aufbewahren der großväterlichen Briefmarken auf abgerissenen Briefumschlägen in einer unauffälligen Ecke des Schrankes. Ja, bis zu dem Tag, als ein Freund mit derselbigen Sammelleidenschaft zu Besuch kam. Die Zwei spielten ruhig und friedlich, was mir vielleicht zu denken hätte geben können. Denn es bot sich mir ein Bild des Grauens, als ich meinen Schreibtisch verließ, um ein gewisses Örtchen aufzusuchen. Die gesamte Kollektion von Briefmarken war zwecks optimierten Briefumschlagablöseprozesses in der gefüllten Badewanne versenkt worden, wo sie jetzt zu Tausenden vereinzelt herumschwammen und vor der erneuten Anhaftung am Badewannenrand bewahrt werden mussten. Dieser Freitagabend lief anders als geplant. In stiller Trautheit fischten wir mehrere Stunden lang Briefmarken aus dem Wasser und legten sie zum Trocknen auf Zellstoff aus. Da sage mal einer, die Kinder säßen nur vor dem Computer.

Betreff: Social Freezing

Sehr geehrte Damen und Herren Apple und Facebook,

Als ich jüngst im Radio davon hörte, dass Sie ihren Mitarbeiterinnen zukünftig bei der verspäteten Familienplanung unter die Arme greifen wollten, blieb mir schier die Luft weg. Ich mäßige hier im öffentlichen Raum meine Worte, damit sie meine Lippen nicht unflätig verlassen und dessen bin ich nach zwei Wochen der Verdauung im Stande. Lösen wir denn gesellschaftliche Probleme jetzt medizinisch? Und, wie haben Sie sich das gedacht? Sollen die Mütter dann nach ihrer Schwangerschaft mit 50 direkt in Rente gehen? Haben sie dann den größtmöglichen Output an Arbeitskraft generiert? Die Probleme arbeitender Mütter werden beim Egg Freezing ja nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Was das Thema Reproduktionsmedizin angeht, finde ich es schon lange unverantwortlich, dass so getan wird, als könne man sich mit Hilfe des medizinischen Fortschritts jederzeit fortpflanzen. Fakt ist, dass die Fruchtbarkeit ab 30 Jahren abnimmt und dass es oft ein langer Leidensweg ist, bis eine künstliche Befruchtung erfolgreich verläuft. Es gibt genug Paare, die darunter leiden, dass es mit einer Schwangerschaft nicht auf natürlichem Weg klappt. Aber daraus Programm machen? Der Vorstoß mag im Ansatz wohl gemeint sein, aber ich finde ihn schlichtweg eine Unverschämtheit. Was geht es meinen Arbeitgeber an, wie ich zum Thema Kinderkriegen stehe? Für manche Frauen in einer schwierigen privaten Situation mag das Angebot ein Segen sein und es sei ihnen gegönnt, die finanzielle Unterstützung für das Egg Freezing anzunehmen, aber die Herangehensweise an die Problematik der Unvereinbarkeit von Kindern und Karriere finde ich grundlegend falsch. Bitte überlegen Sie sich etwas anderes, um Frauen eine Karriere in ihren Konzernen zu ermöglichen. Vielleicht könnten Sie einige Mütter damit beauftragen, die hätten bestimmt ein paar Ideen dazu.

MfG, Ella

Auf der Insel der Glückseligen

Momentan scheint es mir reichlich banal, angesichts der äußerst brisanten Weltlage, aus meinem persönlichen deutschen Wohlstandsnähkästchen zu plaudern. Schließlich hat die Welt gerade ganz andere Sorgen- Kriege, Flüchtlingsströme, der Terror des Islamischen Staates und Ebola halten die Welt in Atem. Zumindest die Welt der betroffenen oder unmittelbar benachbarten Staaten.

„Ebola ist in Europa angekommen“- ließen die große Tageszeitungen vor einiger Zeit verlauten. Ja, ist denn Ebola in Europa schlimmer als in Afrika? Weil sie in Afrika ja sowieso an Unterernährung oder Aids sterben? Eine Seuche mehr- was geht es uns an. Aber jetzt bei uns, das macht dann doch etwas nervös. Ich gebe zu, ich schaue manchmal einfach einige Tage keine Nachrichten mehr- manchmal, wenn ich die Bilder nicht mehr sehen will, die so bar jeder Hoffnung sind. Da gehen Menschen für ihre politischen Überzeugungen, für ihre Hoffnung auf Veränderung im arabischen Frühling in den Tod. Aber nichts scheint sich so einfach zum Guten zu wenden. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bezahlen ihr Engagement mit dem Leben. Und wer sind die freiwilligen Helfer, die sich ohne Angst um ihr eigenes Leben für andere einsetzen? Würde ich das tun? Me, myself and I? Und dann quatscht Herr Gabriel in den Nachrichten vom schwächeren Wirtschaftswachstum in Deutschland wegen der schlechten Weltkonjunktur und ich möchte schreien, dass die Politik so tut, als könnten wir immer so weiter machen mit unserem Wirtschaftsmodell.

Wir schauen so lange weg, bis wir nicht mehr können. Und ich sehe es jetzt, das Festzelt auf dem Sportplatz einer Schule. Flüchtlinge sind dort untergebracht, ebenso in einem ehemaligen Möbelhaus. Gemeinden müssen binnen weniger Tage leerstehende Gewerberäume und Schulen zu Flüchtlingscamps umfunktionieren- getragen meist von freiwilligen Helfern. Ich merke, dass ich da genauer hinschauen und helfen möchte. Und dass dieses Weihnachten, dessen Vermarktung sich wieder in allen Geschäften breit gemacht hat und zum massenhaften Konsum aufruft, anders sein muss als die Weihnachten davor. Wir brauchen nichts. Und wir haben viel zu geben.

Buchtipp für die Kleinen

Viel zu entdecken für die ganz Kleinen gibt es in dem Bilderbuch „Was raschelt denn da?“ (ab 2 Jahren). Waldtiere und Elfen tummeln sich hier auf wunderschönen Bildern, begleitet von kurzen Texten, die die kleinen Zuhörer nicht ungeduldig werden lassen. Außerdem können die Kinder auf jeder Seite mehrere Türchen öffnen, hinter denen weitere Überraschungen warten. Geschenktipp mit „Leuchtende Augen – Garantie“!

Was raschelt denn da? von Daniela Drescher, Verlag Urachhaus ISBN-13: 978-3-8251-7784-3

Der Spagat oder warum Kind und Karriere manchmal doch nicht so leicht ist

Kind und KarriereGenerell finde ich, dass (Klein-)kinder und Arbeiten einfach nicht zusammenpassen. Und das sage ich, obwohl ich einen Job habe, der mir Spaß macht und ich schon immer mein eigenes Geld verdient habe. Klar, manchmal ist Arbeiten wesentlich entspannter als ein Tag im Kreise der Lieben, aber die anstehenden Aufgaben werden ja nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Dass ich dieser Worte fähig sein könnte, hätte ich als Jungmutter nicht glauben können, fiel es mir doch sehr schwer, mich mit dieser neuen Rolle zu identifizieren. Der Beruf war immens wichtig, um mich als normale Frau ohne „Handicap“ zu fühlen. Hausfrau und Mutter? Ich doch nicht. Das änderte sich spätestens mit Kind Nummer 2. Zwei Kinder in Kindergarten, Schule, zu Freunden und Hobbies zu bringen, erfordert schon recht aufwendige logistische Planungen, das Führen des Haushalts und diverse freie Projekte hätten mir zum Zeitvertreib völlig gereicht. Aber so einfach ist es ja nicht. Weiterlesen

Singt, Mütter, singt! Ein Plädoyer

Warum haben eigentlich so viele Eltern immer Hemmungen, ihren Kindern etwas vorzusingen? Wie oft höre ich den Satz „Nein, ich kann aber nicht singen“.

Liebe Mütter (und natürlich auch Väter!), ihr müsst euch hier ja keiner musikalisch ausgebildeten Kritikerschar stellen, die jeden falschen Ton erkennt, bei jedem Kratzen im Hals die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und euch dann nicht zum Recall einlädt.

Nein, das ist EUER KLEINES KIND, dem ihr eine Riesenfreude macht, wenn mit ihm zusammen oder auch alleine für sie oder ihn etwas singt. Ihr könnt hier die Freude am eigenen Ausdruck, am Gestalten vermitteln und einfach zusammen fröhliche Momente erleben.    Das kann man nicht durch das Vorspielen einer CD ersetzen und dazu braucht man auch keinen Musikkurs mit ausgebildetem Lehrer.

Oder wollt ihr eure Kinder zu Perfektion erziehen? Sollen sie sich etwa nur Dinge trauen, die sie fehlerfrei beherrschen?

Also, auf ihr Mütter und Väter, singt, krächzt, jault und quietscht und habt Spaß dabei!