40 und jetzt?

Viele von uns Mädels werden dies Jahr 40. Und das Leben sieht bei den meisten ganz anders aus, als wir es uns als Teil der „Generation Golf“ einmal vorgestellt haben. Wir sind mittendrin statt angekommen. Jobsuche, Familienplanung, teure Mieten, 400,-€ Jobs. Wir sind vom Wohlstandsross unserer Eltern oft unsanft abgeschmissen worden und suchen neue Wege. Tauschbörsen oder Carsharing werden als Produkte unseres ökologischen und sozialen Verantwortungsbewusstseins kommuniziert, ich bin mir aber sicher, dass viele von uns teilen müssen, weil sie es sich- vor allem als Eltern von Kindern- nicht mehr leisten können, alles neu und selber zu kaufen. Die Frage ist, wie wir mit dieser neuen Lebenssituation umgehen. Eins ist klar: im Vergleich zu den meisten anderen Ländern, geht es uns  sehr gut. Und wie sich schon oft gezeigt hat, gibt es auch viel Positives, wenn die Menschen näher zusammenrücken müssen, weil sie nicht alles selbst haben und können. Viele Ansprüche, die wir für selbstverständlich gehaltenen haben, müssen wir sicherlich zurückschrauben. Aber wir sollten auch deutlich zeigen, wann der Preis für  die Anpassungen an unsere globalisierte Welt zu hoch geworden ist.

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Johanniskraut1Obwohl ich ja nun selber keine 20 mehr bin, muss ich mich in guter, alter Jugendmanier doch mal kurz über die Rentner(innen) auslassen, die, der zahlreichen Ausnahmen zum Trotz, leider manchmal alle Vorurteile bestätigen. Letzte Woche wollte ich vormittags kurz vor einem Job noch Klamotten umtauschen. Auch dies rein beruflicher Natur. An den Kassen vor mir natürlich nur Damen fortgeschrittenen Alters. Einige von Ihnen waren auf die sinnvolle Idee gekommen, eine Mittelschlange zu bilden, um von dort aus der Reihe nach zur nächsten, freien Kasse vordringen zu können. Dann kam SIE und stellte sich ganz beiläufig neben uns, um doch nach einer Minute zu uns herüberzublicken und leicht erstaunt zufragen: „Ach, Sie stehen an?“. Es schien, als wolle SIE sich ins System einfügen, aber es widerstrebte ihrer Natur so sehr , dass es kurz darauf aus ihr hervorquoll. “ Also, wenn man sich anstellt, kann man aber nicht die ganze Zeit im Wühltisch herumsuchen( was meine Voranstellerin seit geraumer Zeit tat), da weiß man ja gar nicht, dass Sie sich anstellen.“ Ich entgegnete: „Aber das wissen Sie doch bereits.“ Ich spare mir an dieser Stelle die Verwünschungstiraden, die SIE auf mich herabschleuderte. Es bleibt zu ergänzen, dass sich unsere Mittelschlange kurze Zeit danach auflöste, ich natürlich an der Kasse landete, an der ich am längsten warten musste, um fast zu spät zu meinem Job zu kommen und während des Wartens noch miterleben durfte, wie SIE ihrem Beschwerdepotential an der Kasse weiter freien Lauf ließ.

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Abschied von der perfekten Erziehung

Habt ihr auch solche Probleme, Kontrolle über die Erziehung eurer Kinder abzugeben?
Also ich sehe mich eigentlich als sehr lockeren und entspannten Typ an und die meisten meiner Mitmenschen, empfinden mich, glaube ich, ebenso. So schnell kann mich nichts aus der Ruhe bringen.
Denkste! Wenn es um die Erziehung meiner Tochter geht, bin ich pedantisch, perfektionistisch und überhaupt nicht relaxed! Also meiner Tochter gegenüber schon, aber ansonsten nicht.
Nicht dass ich so sein möchte – im Gegenteil, ich war immer stolz auf meine Gelassenheit! Aber nun habe ich eben immer Angst, dass es schlimm für meine Kleine ist, wenn sie nicht in der Art und Weise erzogen und ernährt wird, wie ich sie für richtig halte.
Anfangs war mir das noch nicht so klar, aber nun, nachdem ich immer mehr Kontrolle abgeben muss, weil ich z.B. wieder arbeite und sie in der Zeit bei der Tagesmutter ist, schiebe ich immer öfter Panik, ob alles so läuft, wie es soll. Also ich bin sehr zufrieden mit meiner Tagesmutter und meine Tochter fühlt sich sichtlich wohl bei ihr, aber natürlich ist sie nicht ich und hat auch nicht dieselben Erziehungsmethoden. In der Zeit, in der ich es dann unter Kontrolle habe, will ich es ganz besonders perfekt machen, damit Ausnahmen, die ja eben unvermeidlich sind, wieder kompensiert werden.
Nicht dass jetzt jemand auf die Idee kommt, ich wolle meine Tochter zu der perfekten Überfliegerin heranziehen.
Nein! Ich will einfach, dass sie eine unbeschwerte Kindheit hat, um zu einem selbstbewussten, glücklichen und selbständigen Menschen werden zu können, der sich und andere respektiert und fest im Leben steht. Aber wie kriegt man das hin? Und wenn man dann denkt, dass man einen guten Weg gefunden hat, der eben in die richtige Richtung führen könnte, kann man nur schwer noch anderes akzeptieren. Ich befürchte immer, dass sie bei falscher Behandlung mal Minderwertigkeitskomplexe und Ängste bekommen könnte
Aber eine pedantische, unentspannte und besserwisserische Mama zu haben, die Mann und Mitmenschen mit ihren Vorgaben und ihrer Kritik nervt, kann ja auch nicht das Richtige sein.
Und vor allem ICH WILL SO EINE JA AUCH GAR NICHT SEIN!!!!
Also habe ich jetzt beschlossen mich von meiner Vorstellung der perfekten Erziehung zu verabschieden! Natürlich nicht ganz – ich kann ja auch nicht aus meiner Haut. Aber ich will doch versuchen, in anderen Einflüssen und Ansichten auch Positives zu sehen und zu lernen lockerer damit umzugehen.